9 Dez 2013

Die Menschen des Abgrunds

Submitted by ebertus

CD + Cover des Hörbuchs
Bild und Montage: Bernd Ebert



Bekannt sind Jack Londons große Romane wie "Ruf der Wildnis", "Wolfsblut" oder "Der Seewolf". Zukünftig aktueller werden könnte jedoch dieser hier vorgestellte Undercover-Bericht aus dem Londoner East-End um 1902 - wegen dem aktuellen reload dieser Verhältnisse...

 

 

 

Eigentlich war eine ganz andere Buchbesprechung vorgesehen, ging es mir um die im Familienkreis gelesene "Geschichte des amerikanischen Volkes" von Howard Zinn, dessen akribische Aufarbeitung und Abrechnung mit der weitgehend glorifizierten Entstehungsgeschichte der USA. Dahingehend und vorerst möge jedoch dieser Link genügen, enthält das Buch doch eine Fülle an Literaturhinweisen, denen ebenfalls nachgegangen werden darf.

Einer dieser Hinweise betrifft Jack Londons Recherche, ja gar Dokumentation bezüglich der Zustände im Londoner East-End des Jahres 1902 - eine Odyssee in den Hinterhof  des sich gerade voll entwickelnden Manchesterkapitalismus.

"Vielfach unvorstellbar und doch erst 100 Jahre her", ist abschließend in einer Rezension zu lesen und dem sei nach beinahe sechs Stunden (meinerseits unterteilt in ebensoviele einzelne Hörsessions) nicht nur zuzustimmen, sondern das Vernommene wäre auf mögliche Weiterungen hin zu aktualisieren.

Soweit man die Augen nicht verschließen wollte vor dem spätestens seit der Jahrtausendwende immer deutlicher erkennbaren Rollback in die Feudal- die Leibeigenen- die Sklavenhaltergesellschaft so sind diese neun Euro für das Hörbuch wohl gut angelegt, wenngleich der Genuß eher fröstelnd macht, ein starker Magen bei manchen der geschilderten Szenen nicht verkehrt sein dürfte.

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Ein Stück weit makaber gar, wenn aktuell die sog. Armutsprostitution sehr selektiv als gesellschaftliches Übel beinahe entrüstet kritisiert wird, wo doch via der realen Exekution von HartzIV immer größere Teile der Menschen auch hierzulande in prekäre Verhältnisse, in dann gar noch aufzustockende Zwangsarbeit gezwungen werden, wo ausreichend bezahlte Arbeitverhältnisse für zunehmend viele Menschen in der postindustriellen Gesellschaft absehbar nicht mehr zur Verfügung stehen werden.