7 Dez 2013

Armutsprostitution

Submitted by ebertus

Der Vollständigkeit halber und parallel zu meiner diesbezüglichen Diskursbeteiligung an anderer Stelle wird hier relativ kurz auf die aktuelle, von Alice Schwarzer angestoßene Diskussion zum Thema Prostitution, deren mögliche legislative und exekutive Weiterungen eingegangen.

Initiiert von Alice Schwarzer werden in der von ihr herausgegebenen Zeitschrift Emma die wesentlichen Forderungen an den Gesetzgeber zusammengefaßt, was die Begrenzung von Zwangsprostitution und die (gerade staatliche) Fürsorge für die betroffenen Frauen betrifft. Bezüglich des vorgeschlagenen, bei Emma nachlesbaren Maßnahmenkatalog soll hier aus eher sehr grundsätzlichen Erwägungen auf den letzten Punkt eingegangen werden, der da lautet:

"Die Bestrafung der Freier von Zwangsprostituierten sollte, wenn sie ernst gemeint ist, auf Armutsprostitution erweitert werden. Denn die Zwangsprostitution im engeren Sinne ist selten beweisbar, da die Opfer völlig eingeschüchtert und abhängig sind. Und die mehrheitliche Armutsprostitution ist auch eine Art Zwang."

Aus einer verallgemeinernden Distanz gesehen könnten alle vorher genannten Punkte unter diesem letzten subsumiert werden, den die zwei sehr grundsätzlichen Fragen im gesamtgesellschaftlichen Kontext lauten:

"Was bedeutet Armut"  bzw. "Was bedeutet Zwang"

Aus dieser Perspektive betrachtet ist Prostitution kein Sonderfall, der möglicherweise noch ein eigenes Gesetz benötigt, nebst allen weiteren, dort bei Emma aufgelisteten Maßnahmen. Warum? Weil es in diesem unseren Gemeinwesen viele, viele schwere, gefährliche, dreckige, eckelige (feel free) Tätigkeiten gibt, die Menschen zu den aktuellen, den in der Regel prekären Konditionen nur unter Zwang leisten, sich faktisch prostituieren müssen und darüber bewußt arm gehalten werden. Insofern und lediglich mit dem Mäntelchen der selbstbestimmten Moderne verbrämt schließt das gesellschaftliche Sein zunehmend vieler Menschen beinahe nahtlos an jenes der Feudal- und Leibeigenengesellschaften oder auch das der griechischen Sklavenhaltergesellschaft an.

Würde sich an diesem Zustand, das sei hier abschließend gefragt, unter einem BGE grundsätzlich etwas ändern? An der Antwort habe ich mich bereits in einem anderen Blogtext versucht.

Eigentlich eine Ironie, aber Schwarzers Maßnahmen könnten, ja sollten dazu führen, dass Prostitution unter diesen sauberen Rahmenbedingungen dann endlich proaktiv auch in den Katalog der zumutbaren Arbeiten aufgenommen wird, bei einer Weigerung der Betroffenen dies dann sanktioniert werden kann!

 

schon gewußt?

auch im kz gabs puff. zwangspuff.
und truppenbetreuerinnen gab's auch.

TruppenbetreuerInnen

Ja, nicht jede(r) kann eine Marlene Dietrich sein, manche mussten/müssen da ganz schön nahe ran!

Und den "Puff" gabs bei den alten Griechen, den Römern ebenfalls, bei den Eskimos (gerüchtweise gehört bzw. gelesen) soll es gar eine Geste der Höflichkeit gewesen sein, dem Gast die Frau (die Tochter? feel free...) angeboten zu haben.

Derer Kulturgüter, Riten etc. mag es noch viele geben...