18 Feb 2013

Seasons of Glass

Submitted by ebertus

Zitat: "The streets of our country are in turmoil. The universities are filled with students rebelling and rioting. Communists are seeking to destroy our country. Russia is threatening us with her might and the Republic is in danger. Yes, danger from within and from without. We need law and order. Yes, without law and order our nation cannot survive. Elect us and we shall restore law and order."

Wer nicht wenigstens vermutet, von wem diese Sätze stammen, der schaue das Video hier; und assoziiert den Text. Im Grunde ist es/er beinahe normal und wird in einer mehr oder weniger starken Intonation, mit aktuell notwendiger, leicher Fokusverschiebung was die jeweiligen Schurken(staaten) betrifft, auch hierzulande und nach wie vor von den Vertretern der staatstragenden, gaaanz großen Koalition, deren medialer Sprachrohre angestimmt. Und Yoko Ono nennt den ursprünglichen Autor:

 

 

Das Video gibt's bei Youtube und es stammt von dem Konzert "Give Peace A Chance" aus dem Jahre 1972 im New Yorker Madison Square Garden; als DVD in meinem Besitz. Das Zitat kann über die Eingangssequenz "the streets of our country" leicht via Google gefunden werden und war wohl gerade in den 1970ern Anlass für entsprechendes Nachdenken; gerade unter nordamerikanischen Intellektuellen, in universitären Zirkeln.

Anlässlich des (gar) 80. Geburtstages von Yoko One und ein Stückweit gerade gefeiert hier in Berlin, so möge das Vorgenannte und das Verlinkte lediglich anzeigen, dass Yoko Ono (und dann mit Sicherheit auch John Lennon) über das Künstlerische hinaus bereits damals einen durchaus gesellschaftskritischen, sehr erkennbaren Blick auf Szenerie des menschlichen Daseins hatten. Und keine Ahnung, was die Beiden dann noch angerichtet hätten - wenn Lennon nicht vor derer beider Unterkunft in NYC, nahe des weiter unten etwas ausführlicher erwähnten Central Park ermordet worden wäre. In jedem Falle war John Lennon wegen seines Engagements gegen den Vietnamkrieg bei der damaligen Nixon-Administration nicht gut gelitten, möglicherweise intensiv vom FBI überwacht und seine Aufenthaltsgenehmigung für die USA stand immer wieder in Frage.

An anderer Stelle hier wurde die kürzlich vorgenommene Katalogisierung meiner rund 300 Vinyl-LPs erwähnt. Ein Fundstück gehört dazu und harrt nun der Wiederkehr des zur technischen Auffrischung außer Haus gegebenen Plattenspielers; nicht zuletzt zum Zwecke der gezielten Digitalisierung einzelner Werke - wie eben diesem hier:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Vorder- und Rückseite dieser LP als sog. "Fotomerge" hier mal schnell für diesen Text erzeugt und so ist der Blogtitel gern mit dem Mehrzahl-"s" geschrieben. Glas ist weitgehend zeitlos, hat immer Saison und ein Leben wie durch Glas, das hat wohl beinahe jede(r) schon mal erlebt; zeitweise zumindest. Natürlich musste sich Yoko Ono in diesem ersten Soloalbum nach Lennons Tod mit sehr persönlichen Empfindungen auseinandersetzen - und dennoch die Balance wahren; in Bild und Ton (auch via der darauf enthaltenen Stimme des gemeinsamen Sohnes). Kunst in jedem Falle, ein Stück weit Kommerz vielleicht; und dennoch das Reale, das Persönliche, dies in Einklang zu bringen, das war mit Sicherheit eine Gratwanderung.

Was "drüben" The New Yorker in den 1970ern für die geisteswissenschaftliche Intelligenz (Hannah Arendt et al.) war und ein Stück weit auch heute noch ist, das war und ist der Rolling Stone für die Kunst- gerade die Musikszene. Ein Review aus 1981 zu eben dieser LP von Yoko Ono mag diesen Sachverhalt verdeutlichen. Und einmal mehr ist es (für mich) diese Faszination des Internet, wo längst vergangene Zeiten via der entsprechenden Archive neu zugänglich werden:

Season of Glass' fourteen compositions are a fascinating montage of memories, dreams and incantations, most of which seem to touch on the tragedy, even though many were actually written much earlier. John Lennon's name isn't mentioned in any lyric, but his presence is everywhere...

"You bastards" could be everybody who ever resented the couple for their happiness and success. They could be the critics and commentators who scorned Ono's art and blamed her for breaking up the Beatles. They could be the fates themselves. They're probably all this and more.

The voice of the Lennons' son, Sean, is also heard. Between tracks, he starts to tell a story, then pauses to remark: "I learnt this from my daddy, you know." Wisely, Ono uses such tear-jerking only once.

 

"Wisely"... was zu unterstreichen ist, wenn es dann in diesem Review erst einmal und weitgehend um die Musik, die Texte dieses Werkes geht und erst in den letzten Absätzen wieder etwas grundsätzlicher wird. Es ist sowohl das Persönliche, das Emotionale wie auch ihre Sicht, was die Rolle der/einer Frau betrifft. Und über Yoko Ono, welche ja eher keine Wurzeln im westlich-abendländischer Philosophie und Kultur anbieten kann, über diese Frau "asiatischer Völker" wird deutlich, was "wir" zu lernen hätten.

What's art and what isn't art varies, of course, according to whom you ask. If Ono didn't put so much of her feelings into what she does, the art-versus-life, artifact-versus-concept argument would interest only the academics. But Yoko Ono gives us her all. Season of Glass is vivid with her exotic personality, her overflowing emotional life and her idiosyncratic vision. Ono's universe is a matriarchy where even the Creator is feminine. Her utopia is an idealized, enlightened child world, in which our capacity for wonder and joy is our most precious gift.

Here, sexuality is polymorphous, with traditional masculine-feminine roles blurred and lovers achieving union as much through the intertwining of consciousness as through physical eroticism. This idyllic world, where the guiding principle is maternal love, certainly isn't everyone's idea of heaven. But, to me, it sounds a lot better than the world we live in.

 
Natürlich, nicht jede(r) wird diese idyllische "Welt" als den erstrebenswerten Himmel ansehen. Die Welt dreht sich weiter, mehr als dreissig Jahre schon, seit die zitierten Zeilen geschrieben wurden; und "Idylle" ist bestenfalls sehr selektiv zu verstehen, zu erleben. Was mir unbekannt war, erst durch den Hinweis eines Freundes neu entdeckt wurde, das ist die Tatsache des Rolling Stone als deutschsprachige, papierne Ausgabe. Und darüber hinaus ebenfalls im Internet nachzulesen, für Menschen (like me) möglicherweise eine weitere Quelle der Information, über die in dem Zusammenhang natürlich nie vollkommen von der Hand zu weisende Nostalgie hinaus. Der Artikel jedenfalls zu dieser Geburtstagsfeier ist durchaus sehr aktuell. Da wäre ich möglicherweise gern selbst hingegangen; hätte eben vorher immer mal den Rolling Stone lesen sollen...

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Strawberry Fields - und wie oben bereits angemerkt, so ist dazu auch meinerseits Persönliches, Nostalgisches, Erinnerungswürdiges zu vemelden. Viermal waren wir, war ich bereits in New York und bis auf den Besuch in einem eiskalten Dezember stand jedesmal der Central Park auf dem Programm. Zu groß für einen einzigen Besuch und somit näherten wir uns dieser weiten Landschaft in mehreren Etappen. In 2010, bei unserem letzten Besuch fuhren wir mit der Subway ans nördliche Ende des Parks und wanderten dann südwärts, hielten uns dabei östlich, Richtung Guggenheim-Museum. Das Lennon-Memorial ist dagegen relativ weit im südlichen, westlichen Bereich des Parks.
 
 
Und dort im südwestlichen Teil waren wir 2009, bei dem mehrtägigen NYC-Aufenthalt während einer Rundtour ab und bis Boston, wobei Montreal in Kanada das nördlichste und New Yok City das südlichste Ende dieser großen Schleife markierten. Irgendwo hatte ich etwas gelesen über dieses Lennon-Memorial in Sichtweite des Dakota, wo Yoko Ono auch heute noch wohnt. Auch wenn es natürlich Wichtigeres, Substantielleres und mit Sicherheit auch Gehaltvolleres gibt als derartige "Kunst" einschließlich Erinnerungskultur, so ist es dennoch ein wenig wie der Hauch der großen Geschichte, des Weltenlaufes; der einen da so streift...
 
 
Ok, mit 80 noch halbwegs so drauf zu sein wie Yoko Ono, das wäre schon was. Und vielleicht auch nochmal dorthin zu kommen, nach NYC; gern auch vollkommen unabhängig von dem hier Geschriebenen - zu neuen, weiteren Ufern.


Yoko Ono in der Schirn / Ffm

Bis zum 12. Mai gibt es in der Frankfurter "Schirn" eine Ausstellung zu dem Werk von Yoko Ono, einem Leben weit über ihre Verbindung zu John Lennon hinaus. Sich ein Stück weit und zumindest in der gedanklichen Breite, einer möglicherweise selektiven Tiefe darauf einzulassen, das scheint mir mit Sicherheit nicht uninteressant.

Daher im Hinterkopf zu behalten bei den allfälligen Aufenthalten in Rhein/Main Neckar. Im folgenden Link gibt es Weiterführendes:

Link als Nachtrag