7 Okt 2014

Was machen eigentlich die... Krautreporter

Submitted by ebertus

Der Qualitätsjournalismus geht "kaputter" von Tag zu Tag, die Öffentlich-Rechtlichen eingeschlossen. Die Million ist eingesammelt. Wo bleibt die angekündigte Rettung?

Natürlich, das Modell der Krautreporter wollte erst noch gelebt, erlebt werden; und scheint dennoch ein (nicht der, den dürfte es nicht geben) Weg aus dieser sog. Medienkrise.

Die Inhalte der Krauties sollen -wie man lesen konnte- frei verfügbar sein. Gezahlt wird für die (bislang diffusen) Benefits, den Zusatznutzen. Und dieser beginnt bei der Möglichkeit zur Kommentierung, geht über eine Art Community, über Hintergrundinformationen, den Kontakt zu den AutorInnen bis hin zur Teilnahme an Veranstaltungen und anderen Events im Kontext des Projektes. Aber wie gesagt, Genaues weiss man nicht...

Außerdem -last but not least- stellt sich bei den Krautreportern die Frage nach der endgültigen Rechtsform; momentan bzw. zu Zeiten der Geldsammlung wohl eine UG (Mini-GmbH). Bei der finalen Veranstaltung zur Kampagne unter Teilnahme von Jakob Augstein berichteten (ehemalige) taz-Gründer von ihrer Genossenschaft. Falls es nun eine UG bleiben sollte, so ist das dann natürlich lediglich ein weiteres privatwirtschaftliches Medienmodell mit begrenzter Haftung. Es müsste in diesem Falle (eine Netiquette dürfte nicht ausreichen) rechtsgültige, rechtskonforme AGBs geben, welche das formale Verhältnis von Anbieter zu Abnehmer (Top-Down eben) regeln; im konkreten Fall der Abnehmer bzw. hoffnungsfrohe Konsument gar bereits in Vorleistung gegangen ist.

Ja, das will alles gelebt werden und erfordert aus meiner Sicht eine erhebliche technische und auch administrative Infrastruktur. Bis auf die wenigen Großsponsoren scheint die Mehrzahl der Mitglieder bzw. Abonnenten aus Einzelpersonen zu bestehen. Da ist mit Sicherheit eine ganz andere Erwartungshaltung gegeben, herrscht eine größere Teilnahmebereitschaft vor als bei einer formal ähnlich hohen Abonnentenzahl hier bei derFreitag, wo sich -bildlich gesprochen- nur eine Handvoll an der Community beteiligt; Anonyme wie Selbstvermarkter eingeschlossen.

Nach der Causa SZ ist außerdem zu fragen, welches Kommentarsystem es bei den Krauties geben wird. Die für eine SZ  und beinahe schon als eine Ironie der Snowden-Enthüllungen nun relevanten Big Player wie Facebook&Co.werden es bei den Krauties hoffentlich nicht sein; schließen ansonsten doch alle diejenigen (me too) aus, welche Snowdens Aussagen und die sich daraus ergebenden Weiterungen und  Handlungsoptionen sehr ernst nehmen.

Mehr noch, das bei der SZ für die jeweils zwei oder drei vorgegebenen, streng eigenmoderierten Themenkomplexe eingesetzte  Disqus steht den Facebookern nicht nach; ist eher noch konsequenter und ehrlicher:

"Besucht der Nutzer eine Website, die Disqus integriert hat, und schreibt einen Kommentar, so wird dieser zu Disqus in die USA übertragen und unterliegt damit dem dortigen Datenschutzrecht."

Halleluja! Der BND wird dafür nicht einmal gebraucht...