3 Nov 2013

Hard- vs. Soft-DRM / der Verlierer ist immer der ehrliche Kunde

Submitted by ebertus

Sollte man als Kunde freiwillig daran mitwirken ein bestimmtes Geschäftsmodell zu schützen? Selbst dann, wenn diese Mitwirkung absehbare oder gar nicht überschaubare Nachteile mit sich bringt?

Ein Rückblick:

Bis Anfang der 1990er erfolgte die Installation von lokalen Computerprogrammen in der Regel über Disketten, war manchmal ein ganzer Stapel dieser Floppys nacheinander in den Schlund des Laufwerkes einzuführen. Nicht selten wurde ein sog. Kopierschutz dahingehend realisiert, dass eine (natürlich) kopiergeschützte Diskette bei jedem Programmstart von der Festplatte dennoch im Diskettenlaufwerk liegen musste. Schon ganz schön ärgerlich, wenn diese mechanisch durchgewalkte Scheibe dann mal defekt ging - war umgehend der Lieferant des Programmes zwecks zügigen Ersatzes eben dieser Diskette gefragt.

Besser vielleicht, wenngleich auch nur suboptimal ist die Anschaffung eines speziellen Kopierprogrammes für derartige Fälle bzw. Disketten. "Locksmith" war nach meiner Erinnerung das Tool der Wahl und die Umgehung eines Kopierschutzes damals und hierzulande noch nicht verboten; heute schon...

Mit derartigen Programmen ohne relevante Ausfallzeiten richtig arbeiten zu können und ebenfalls ohne den Diskjockey geben zu müssen, das war faktisch nur in einer Grauzone bzw. illegal möglich. Einfach das Programm soweit verfügbar nochmal beschaffen, aber eben auf dem Schwarzmarkt und dann gleich ohne jegliches Kopierschutzgedöns.

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Stand der Dinge:

Mehr als zwanzig Jahre später hat sich an der Gängelung des ehrlichen, offiziellen Kunden nichts geändert; außer dem Medium und dem überwiegenden Kundenkreis. Nicht mehr Computerprogramme, auch kaum noch Musik- und Filme (wegen einem dahingehenden grandiosen Scheitern der Kopierschutzbemühungen) sondern sog. E-Books bestimmen heute die Kampfzone. Die geschätzten Kunden rekrutieren sich überwiegend aus dem Privatbereich; Firmen und Institutionen lassen sich darauf eher selten ein. Die Firma Adobe bringt wohl demnächst -einmal mehr- einen (vorerst...) "unknackbaren" Kopierschutz auf den Markt und mein Mitleid gilt dabei natürlich den alten und neuen, offiziell zahlenden Kunden. Über die reine Gängelung hinaus wird das mit Sicherheit spannend, wie die bisherigen und oft proprietären E-Book Reader dann mit diesem neuen Feature klar kommen. Nun ja, den bislang erworbenen Buchbestand auf das neue Format upzudaten (damit die virtuellen Büchlein auch wieder gaanz sicher sind), das sollte eine leichte, möglicherweise zwangsweise dem geschätzten Kunden übergebügelte Prozedur sein.

Ok, wer das alles mitmacht, dem ist eh' nicht zu helfen und für den Rest von uns gilt wohl primär Verweigerung. Für Andere -soweit an diesem Content interessiert- gab und gibt es möglicherweise die entsprechenden Tools zum Entfernen des Kopierschutzes; wird sich Mancher gleich auf dem Schwarzmarkt bedienen.

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Zitat:

Hallo, ich würde gern wissen, was ihr davon haltet, dass einige Verlage ihre Ebooks mit einem digitalen Wasserzeichen versehen. In dem Ebook befindet sich dann eine Zahlenkombination (oder Ähnliches), die an euren Acount gekoppelt ist. Dadurch wird dieses Ebook rückverfolgbar.

Solltet ihr euer Lesegerät verlieren oder es euch gestohlen werden, und jemand macht etwas Illegales mit euren Ebooks, würdet ihr belangt.

Wie ist die Rechtslage? Wer muss wem beweisen, dass er nichts Illegales getan hat?

Also nur nebenbei: Ich kaufe meine Ebooks trotzdem bei Beam. Auch mit Wasserzeichen. Aber die Angst sitzt mir immer im Nacken. Ich denke immer "Kann ich meinen Ereader mit ins Krankenhaus nehmen? Hoffentlich wird er mir nicht geklaut." 

Vielleicht sehe ich das Thema ja zu verbissen, aber wer garantiert mir als ehrlichen Käufer eine gerechte Behandlung im oben genannten Fall?

 

Ein wirklich armer Junge wohl, und diese Fragen werden ganz bewußt von offizieller, von Anbieterseite nicht weiter thematisiert. Stattdessen wird dieses nunmehr softe DRM als Alternative zu dem weiter oben abgehandelten harten DRM zunehmend favorisiert. Es handelt sich dabei, wie der Rechtsanwalt Thomas Schwenke in diesem lesenswerten Basisbeitrag schreibt, primär um ein psychologisches DRM. Allerdings kann zumindest nach Schwenke und was den zitierten armen Jungen betrifft eine gewisse Entwarnung gegeben werden:

Bei einer Signatur wird ähnlich einem Wasserzeichen auf einem Bild ein nicht sichtbares Muster in den Text des Buches hineincodiert. Der Nutzer kann das Buch ohne Schranken verleihen oder weiter verkaufen, muss aber damit rechnen, dass es zu ihm zurückverfolgbar sein wird, wenn er es zum Beispiel in einer Tauschbörse einstellt.

Die Frage ist, ob diese Wasserzeichen hinreichend abschreckend sind. Denn aus juristischer Sicht ist es nicht ausreichend, ein E-Book in einer Tauschbörse zum Käufer zurück zu verfolgen, um ihm nachzuweisen, dass er es dort eingestellt hat. Das könnte genauso gut jemand sein, dem er es verliehen hat.

 

Immerhin, das mag man gerne glauben. Aktuelle und diesbezüglich anhängige Verfahren oder gar Urteile waren (meinerseits) trotz einiger Internetrecherche nicht zu finden, ist diese Art von Delikt möglicherweise noch zu neu. Wenn man das Erwartbare allerdings mit den gängigen Einschüchterungsszenarien der auf sog. Filesharing, auf Tauschbörsen spezialisierte Abmahnanwälte vergleichen wollte, dann möchten meine Daten bitteschön nicht als Wasserzeichen in einem E-Book hinterlegt sein.

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Ausblick:

Über das in der Regel wohl noch recht überschaubare Portfolio an Büchern mit diesem softigen DRM hinaus  ist ein genaueres Hinschauen durchaus angezeigt. Das betrifft sowohl die Anbieter derart geschützer Inhalte (siehe hier im Blog den Beitrag zu sobooks), als auch die gerade offline zur Verfügung gestellten Formate. PDFs, auch deren Metadaten sind mir halbwegs geläufig, existieren die entsprechenden Tools. Bei ePub oder auch MobiPocket (Kindle) ist dagegen noch etwas Nachrüstung angesagt; ebenfalls nicht verkehrt. Proprietäre Lesegeräte scheiden von vorn herein aus und als Betriebssysteme einschließlich dem notwendigen Hardwarezugriff kann ich lediglich Windows, Linux und Android bieten.

Stay tuned...

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Anmerkung in eigener Sache:

Für den Medienkonsum (over all) wird meinerseits im Durchschnitt rund 100 Euro im Monat aufgewendet. Ich bin weder ein Nutzer dieser Tauschbörsen noch ein sog. Downloader und es werden, gerade was Medien betrifft von mir keinerlei illegale Käufe getätigt oder derartige Aktionen befürwortet. Allerdings möchte ich im Rahmen der nach wie vor zulässigen Privatkopie weder künstlich beschränkt noch überwacht werden oder es gar zulassen, dass meine persönlichen Daten in einer rechtlichen Grauzone Verwendung finden.

 

Als kleine Einstimmung

auf einen weiteren Blogtext hier zu verstehen...

Mit recht harten Bandagen wird in der Branche gekämpft, die Tolino-Allianz gerade beerdigt. Dabei sollte doch dieses Gerät nebst der dahinter liegenden Infrastruktur des Buchhandels der Vormachtstellung von Amazon (Kindle), aber auch von Apple Paroli bieten. Und wollten die BigPlayer des Buchhandels hierzulande die Kleinen in dem Zusammenhang und beinahe en passant gleich mal mit über den Tisch ziehen?

Die im verlinkten Text genannten Knackpunkte sind schon deftig, wobei der Tolino- wie auch der Kindle-Reader natürlich sog. proprietäre Geräte sind. Lediglich Apple bietet mit dem iPAD ein zumindest dahingehend zeitgemäßes Multifunktionstablet; andere, nicht unkritisch zu sehende Apple-Spezifika hier mal aussen vor gelassen.

Wenn man dann mal etwas einsteigt, zu dem Tolino bei Wikipedia nachliest, so werden die Beschränkungen, so wird dieser (Klein)krieg in der Branche mehr als deutlich:

Als Betriebssystem kommt Android 2.3.4 [2.3.4 sic! - Anmerkung des Verfassers] zum Einsatz, wobei dem Nutzer regulär eine speziell angepasste Oberfläche zur Buch- und Geräteverwaltung zur Verfügung steht, jedoch kein Zugriff auf die restliche Android-Oberfläche möglich ist.

E-Books in den Formaten EPUB (inkl. ACSM), PDF und TXT können von beliebigen E-Book-Anbietern gekauft und direkt heruntergeladen werden - allerdings können die Formate von Amazon und Apple nicht angezeigt werden.

...eine Adobe-ID registrieren, um DRM-geschützte E-Books öffnen zu können.

 

Na dann viel Spaß ...