1 Nov 2011

Spielgeld

Submitted by ebertus

Bildmontage: Bernd Ebert

2011 wird gut, bei so vielem frisch gedruckten, zumindest buchwertig zur Verfügung gestelltem Geld sollte nun endlich klappen; und sich auch für die vielen Spatzen noch etwas in den Äppeln der wenigen Pferde finden lassen.

 

 

 

Der Spiegel trommelt seit einigen Tagen und nun gar noch verstärkt mit hoffnungsfrohen Botschaften für das "Wir"-Gefühl, die anderen Mainstream-Medien stehen da kaum nach. Alles wird besser, endlich gut, man muss sich wirklich schon mal Gedanken machen, über das demnächst von Bernankes Helicopter herabrieselnde Spielgeld; wahrscheinlich mehr als bunte Glasperlen oder Feuerwasser. Und wer da auf das bestenfalls zelebrierte Prinzip von "linke Tasche, rechte Tasche" verweist, ist ein Nestbeschmutzer, mindestens ein nimmersatter Nörgler.

Richtig konkret wird die FTD, und das ist ja gut und wichtig so. Dieses viele, immer neue Geld in den Taschen Weniger muss wieder neu und profitabel angelegt werden, das Schneeballsystem weiter laufen. Es werden alte, neue, in jedem Falle aber kreative Anlagemodelle gesucht. Das gewinnträchtige Subprimen und - nach dem erwartbaren Crash - sozialisieren der Verluste war schon genial. Das hat(te) was von pontemkinschen Dörfern, auch wenn wir alle nun über Generationen in Sippenhaft für die eh' bereits fast Alles Besitzenden genommen werden.

Es gäbe natürlich - theoretisch, gutmenschlich gedacht - noch weitere Möglichkeiten, das viele frische (Papier)Geld zu verteilen:

Es könnten die (zugegeben vielen) Ärmsten und Armen bedacht werden. Die werden das Geld natürlich wohl kaum in eine von der FTD vorgeschlagene Anlageform überführen, werden schnöde konsumieren. Dann würde das Kapital via Handel, Vertrieb und Hersteller zwar doch wieder bei den Wenigen landen, aber über die Pferdeäppeltheorie viele Spatzen etwas satter machen.

Es könnten aber auch sinnvolle, nicht zuletzt ökologisch nachhaltige Infrastrukturmaßnahmen finanziert werden; jenseits der primär die jeweilige Lobby zufriedenstellender Prestigeprojekte ala Stuttgart21. Dann wandert das viele Geld zwar in geringerem Maße und etwas zeitversetzt immer noch an die ggf. privaten Planer, Hersteller und Betreiber. Es entstehen jedoch reale Werte, die dann natürlich "später" wieder als sog. Tafelsilber verkauft, aber eben nicht verschenkt werden.

Eine Mischung beider Möglichkeiten wäre optimal. Das neue Kapital lediglich zum Ausgleich der "tragischen", dennoch wohl erwartbaren Verluste an die fast alles Besitzenden durchzureichen ist dagegen nicht nur kontraproduktiv. Es schreit schon wieder nach lukrativer Anlage, denn sonst gibt es ja "dort" keine Probleme.

Bei telepolis gerade gelesen, passt irgendwie dazu! Warum die Wohlhabenden auch in der Krise kaum Federn lassen mussten ist schon klar, wird 2010 etc. nicht anders aussehen; bei dem Support...

http://www.heise.de/tp/blogs/8/148991