22 Jul 2013

Linux, der Rahmen

Submitted by ebertus

Die Entscheidung ist also gefallen, soll nun Linux neu entdeckt werden, intensiver möglicherweise als vor einigen Jahren, weil schon die ersten Gehversuche entsprechendes Interesse weckten. Entschieden ist ebenfalls, dass auf dem Testrechner ein Dualboot mit Windows(7) und Linux eingerichtet werden soll, nicht zuletzt wegen der Frage, wie Linux mit NTFS, mit Windows-Datenformaten umgehen kann.

Die erste Frage ist nun, auf welche Variante von Linux man sich einlässt. Wie hier in einem anderen Blog, einem Titelbild dargestellt, war Ubuntu der erste Kandidat. Zwei Gründe, die hier kurz angesprochen werden sollen, führten schlußendlich aber dann zu Mint, in der Version 15/Olivia.

1. In Diskussionen beim Freitag wurde bekannt, dass Linux-Ubuntu von Amazon gesponsert wird, dahingehend möglicherweise gar "verkaufsfördernde" Elemente enthält, vorsichtig ausgedrückt". "How to Disable Amazon Ads and Data Leaks" klingt nach untergeschobenen Prozeduren, die man dann netterweise deaktivieren kann; und hoffen, das es damit erledigt ist...

2. Linux-Mint, welches nach den "Data Leaks" dann mal testweise installiert wurde, scheint von dieser Art Support noch nicht befallen und bietet darüber hinaus ein sog. "Look&Feel", welches dem von Windows wesentlich näher kommt, als das von Ubuntu. Subjektiv vielleicht zu verstehen, nicht nur die per default eingestellte Farbauswahl war angenehmer, auch die Website von Mint wirkt irgendwie aufgeräumter und nicht so aufdringlich. Aber wie gesagt, sehr persönlich intendiert.

 

Zu lernen, was (mich) inhaltlich und sehr konkret interessiert, zu verstehen in wieweit "Vergleiche" mit Windows relevant sind, dafür wären mit Sicherheit beide Linux-Varianten geeignet, weitere möglicherweise ebenfalls. Und dieses Lernen ging mit einem Problem los, weil es mir nicht gleich gelang die komplette Installation zu sichern und lauffähig auf eine andere Festplatte zu übertragen; weder Linux stand-alone auf der Platte noch als Dualboot-Konfiguration. Schlußendlich und nach dem Hinweis eines Kommentators hier war das wirklich nerdige Tool namens "clonezilla" dann die erste erfolgreiche Lösung. Es gibt wohl weitere Tools, "redobackup" beispielsweise oder das im Hauptmenü von Mint unter "Zubehör/Disks" abgelegte Partitionirungs- und Imagetool, welches auch von der Live-CD gestartet werden kann. Ein Thema also, an dem das weitere Vorgehen nicht scheitern sollte, das KnowHow bis zu einem möglicherweise produktiven Einsatz, was beispielsweise Grub, dem Linux-Bootloader oder generell den via Konsole/Terminal einzusetzenden Linux-Befehlsumfang betrifft, dann deutlich gewachsen sein dürfte. Ob das deutschsprachige Userforum bei der Einarbeitung nützlich sein wird, dass sollte sich ebenfalls zeigen.

 

Was also in den nächsten Monaten (in den nächsten Jahren?) ansteht, das soll hier in wenigen Stichworten aufgezeigt werden, wobei die Reihenfolge (bis auf die erstgenannten Punkte) eher relativ beliebig sein dürfte:

# Als erster und ganz substantieller Schritt wird die Testmaschine mit einer SSD bestückt, einer Samsung 840 Pro mit 128GB, so wie sie seit einigen Wochen auch in meinem anderen, stationären PC zur vollen Zufriedenheit arbeitet, die Migration der W7-Umgebung von einer herkömmlichen Harddisk eingeschlossen.

# Wenn dann also Windows von der SSD läuft wird (einmal mehr) die genannte Linux-Version installiert, dabei ein Masteruser eingerichtet und dann das Update der Installation angestoßen. Die Hardware (LAN, Audio, Grafik, exteren eSATA-Platte, das war ja bereits getestet, wird mit Sicherheit einwandfrei erkannt werden.

 

Und dann...?

# Wie werden Programme installiert, über die von dem genannten Update automatisch erfassten hinaus?

# Wie werden zusätzliche Programme aktualisiert oder wieder entfernt?

# Wie sieht überhaupt die Verzeichnisstruktur unter Linux aus?

# Wo können Daten/Dateien lokal (öffentlich/userbezogen) abgelegt werden?

# Wie ist auf das im LAN befindliche NAS zuzugreifen?

# Wie werden Drucker eingerichtet, also lokaler USB-Drucker oder als Netzdrucker?

# Der Netzdrucker ist ein Multifunktionsgerät. Was ist mit Scannen zum PC?

# Es gibt auch noch einen separaten, hochwertigen Fotoscanner, kann der ebenfalls eingerichtet werden?

# Wie funktioniert die Verbindung mit der Digitalkamera, dem Smartphone?

# Welche mir unter Windows essentiellen Programme und Tools gibt es vergleichbar unter Linux?

# Wie sieht es mit dem Zugriff (FTP etc.) auf meine Website aus?

# Kann eine lokale Laufzeitumgebung (Apache, MySQL etc.) meiner Website eingerichtet werden?

# Wie sind Events (z.B. "OnLogon" tue dies und das...) abzuhandeln?

# Gibt es eine Scriptumgebung für manuelle oder triggergesteuerte (events) Aktivitäten?

# Wo und wie ist die Netzwerkkonfiguration anzupassen (feste IP etc.)?

# Gibt es ein wenigstens rudimentäres Berechtigungskonzept, falls mehrere User eine Maschine nutzen?

# Wie sind VPN-Verbindungen (anonymes Surfen) herzustellen?

# Wie sind Firefox und Thunderbird zu konfigurieren, ggf. Daten zu übernehmen.

# Ist TrueCrypt als Stick-Container (Daten/Programme/Konfiguration) so zu nutzen wie unter Windows?

 

Schlussendlich...

# Wie sind, mal abgesehen von dem eingangs genannten Backup/Restore von kompletten Partitionen die entsprechenden Funktionen für das Sichern und Wiederherstellen von Programme, Konfigurationen, Userdaten etc. gestaltet, um nach einer Neuinstallation von Linux-Mint (gar auf einer anderen Hardware) die volle Funktionalität schnell und einfach wieder herzustellen.

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Zusammengefasst sind das alles Punkte, Themen oder auch Anforderungen, welche auf meinen Windows-Installationen komplett und zufriedenstellend adressiert sind. Dass dies nicht eins zu eins auf Linux übertragbar sein wird, das sollte klar sein, wenngleich die Funktionalität an sich kaum verhandelbar ist, auch unter Linux gegeben sein wird. Diese funktionale Realisation wird dann primär eine Frage des zu treibenden Aufwandes sein, ein Aufwand der zu akzeptieren wäre; oder eben nicht. Natürlich, wenn auf Dualboot, parallele Nutzung von/mit Windows verzichtet wird, dann ist der Leidensdruck mit Sicherheit groß genug, um innerhalb weniger Wochen bis Monate halbwegs zufriedenstellende Ergebnisse auch unter Linux zu erzielen. In meinem Falle jedoch wird das nicht so laufen, ist Linux vorerst ein interessantes Experimentierfeld. Windows(W7) wird nach meinen Erfahrungen in einem professionellen Umfeld das Ende der Dekade als produktives System noch erreichen, damit Support und Updates etc. von Microsoft genießen..

Zugegeben sei, dass zumindest einige der oben genannten Punkte, Fragen oder Themen über den Horizont von Normalanwendern hinausgehen dürften, im professionellen Bereich anzusiedeln sind. Aber genau das ist doch immer wieder der Punkt, die im Hintergrund stehende Anforderung, wenn über die Akzeptanz bzw. den Umstieg auf Linux diskutiert wird. Wenn der Rahmen einer einzelnen, gern auch nerdig betriebenen Linuxinstallation verlassen wird, eine Gruppe von AnwenderInnen zu bedienen ist, die Funktionalität bislang vorhandener und genutzter Programme weiter benötigt wird, Ressourcen via Netzwerk, Server, vorhandener Hardware bereitgestellt und genutzt werden müssen, Berechtigungen differenziert vergeben werden wollten, dann stellen sich eben auch diese Fragen.

Und ob in den nächsten Jahren die Entwicklung nicht eh' weggeht von "dicken", stationären (lokalen) Betriebssystemen, das ist die große Frage, ist durchaus möglich und davon sind Linux wie Windows, auch MacOS betroffen. Browser- und cloudbasierte Systeme scheinen dahingehend eher die Zukunft, soweit einerseits offen einsehbar/nutzbar (OpenSource) und andererseits mit optional hochgesicherten Daten incl. der Metadaten (soweit möglich), damit ohne Hintertüren per Definition, per Design für kommerzielle wie politische BigBrother.

Also keine Hektik, immer mal etwas probiert, ggf. dokumentiert (auch hier) und ansonsten dazu gelernt ...