9 Okt 2011

Söldner des Journalismus

Submitted by ebertus

Ein Beitrag im Freitag und meine Gedanken zu diesem Satz:

"Vielleicht sind Journalisten nicht anders zu bewerten als Arbeiter, die am Fließband blieben, als dort Waffen hergestellt wurden, als Juristen, die weiterhin zu Gericht gingen, als dort Unrecht gesprochen wurde."

Das wusste Paul Sethe, einer der Gründungsherausgeber der FAZ, bereits 1965 - und sprach es so aus:

"Pressefreiheit ist die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten."

In sofern greift der
Freitags-Text meiner Meinung nach etwas zu kurz, hebt ab auf (ehemalige) Journalisten, die erkennbar, auch vom Status her dann zur PR wechseln. PR in Politik und Wirtschaft, als Lobbyist oder mit sog. Beratervertrag.

Schlimmer und gefährlicher für eine Demokratie mit gewünscht und erwartbar "unabhängigen" Medien - unter den heutigen, primär wirtschaftlichen Rahmenbedingungen umso mehr - sind Journalisten auf den Gehaltslisten der Mainstreammedien, als Sänger der Lieder, die eine in der Regel investorengesteuerte Hand ihnen (leise)vorsingt. Und das Fressen kommt bekanntlich sowieso vor der Moral.

Aktuell zu erkennen bei der eher im Stile einer Regenbogenpresse zelebrierten Hofberichterstattung zu den staatstragenden Parteien incl. mittlerweile den Grünen unter Schonung der Protagonisten, unter Vermeidung all zu ernsthafter, inhaltlicher Attacken. Die damalige Rolle von 2003-Merkel zu Bush und dem irak ist absolut tabu, ebenso Steinmeiers Wirken in Zusammenhang mit den US-Geheimdiensten. Beides zum Beispiel wäre jedoch, und gerade im Hinblick auf die Entwicklung in Afghanistan, bis in jedes letzte Detail zu hinterfragen.

Und sage niemand, Hofberichterstattung wäre die Domäne der Privaten; die ja immer noch auf in der Regel freiwillig zahlende Kundschaft setzen müssen. Der öffentlich-rechtliche Sektor mit demnächst einer steuerähnlichen Zwangsverpflichtung namens Haushaltsabgabe ist für Brot und Spiele ebenso wie geschaffen, finanziert sich gar noch beinahe wie von selbst. Die jüngste Merkel-Schau, diese nicht einmal verbrämte Regierungserklärung bei Günther Jauch ist dabei lediglich ein, mit Sicherheit nicht der letzte "Höhepunkt"

Und andererseits, beinahe wie abgesprochen, ein ganz "seriöses" Bashing der Linken und der Piraten. Da werden beinahe täglich alte Geschichten ala SED-Kader hervorgeholt - viel länger her als 2003 - und was haben die Medien und Politiker verschiedener Couleur doch im Frühjahr 2008 den Althaus-Favoriten Peter Krause verteidigt. Und der hatte nicht nur ein Interview gegeben. Und die Piraten, möglicherweise und nicht zuletzt aus Protest in diesem Umfang gewählt? "Irgendwie" linke Medien, vom Freitag bis zur taz sind da gar die Speerspitze im Kampf gegen das neue, das Andere. Hatte man es sich doch so schön bequem gemacht, wollte "irgendwann" ebenfalls hofberichterstatten.

Chomsky's Propagandamodell; Journalisten und anderes "akademisches Proletariat" oder auch "urbane Penner" (nach Mercedes Bunz) müssen und wollen existieren, sagen da in der Mehrzahl genau so wenig "nein", wie die im Artikel erwähnten Rüstungswerker.