20 Mär 2011

Am Katzentisch

Submitted by ebertus

Heribert Prantl ist - und im krassen Gegensatz zu dem beinahe regelmäßig Würgreiz erzeugenden Marc Beise - einer der Wenigen, die man auf der Sueddeutschen noch lesen kann. Im vorliegenden Fall ist sein Kommentar streckenweise zwar ähnlich dröge wie das Ereignis selbst, aber gerade deshalb wird er (Prantl und sein Kommentar) diesem Ereignis mehr als gerecht.

Ein kleines Bundesland mit wenigen Menschen, noch weniger Einfluß auf die große Politik und tendenziell ohne wirkliche, sog. Perspektiven. Das könnte unter Umständen sogar von Vorteil sein, wenn die Rückbesinnung auf Bescheidenheit, auf Lokalität ernsthaft betrieben würde. So jedoch ist es "business as usual"; und die Wahlbeteiligung wieder etwas besser als ganz schlecht.

Die Agenda-SPD nimmt freiwillig am Katzentisch Platz, braucht sich dabei nicht einmal zu verrenken, das passt schon. Die (SPD)Wähler wussten, was kommen wird, keiner braucht sich bei einer Neuauflage der GroKo vor den Kopf gestoßen zu fühlen. Anders als beispielsweise in Thüringen ging man vor der Wahl und mit der CDU sehr pflegeleicht um, bildet eine Schickalsgemeinschaft.

Die Linke - und das ist auch gut so, will sie nicht den Weg der Grünen gehen - wird wohl erst regierungsfähig, wenn sie es allein auf rund 50% schafft. Die Linke könnte ansonsten, und wegen der doch so alternativlosen Sachzwänge (ob mit eigenem Regierungschef oder am Katzentisch der SPD) lediglich den Part des unfähigen, an "allem" schuldigen Feigenblattes übernehmen.

Die ab Ende 1998 gewendeten, seit dieser Zeit staatstragenden, von Schröder domestizierten Grünen hat, und ohne eigenes Zutun, die Woge aus Japan in den Landtag gespült und wirklich positiv ist, das es die beiden extremistischen Parteien mit 3,8 bzw. 4,6 Prozent nicht geschafft haben. Aber Gemach und dennoch, Vorsicht ist geboten, hat die Haiderisierung im Nachbarland doch sehr konkret gezeigt, wie sich im Grunde Geistesverwandte sehr schnell und wählerwirksam ergänzen können. Hierzulande fehlt für diese Konstellation vielleicht noch der sarrazineske Führer, die sog. "verrohende Mittelschicht" gibt es bereits.

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