26 Aug 2010

Camping Renaissance !?

Submitted by ebertus

Ein toller Camping-Artikel in der taz, auch wenn der Focus im weiteren Verlauf etwas abdriftet, die amtlichen "Maden im Speck", die "Wasserprediger und Weintrinker" mehr in den Mittelpunkt stellt. Passender wäre der Hinweis auf "neue", amerikanische (Wohn)Verhältnisse, auf die erwartbar und zunehmend erforderlichen, urbanen Tentsites. Ansonsten ist die Erkenntnis bezüglich des Sparverhaltens der Unter- und Mittelschicht nicht wirklich überraschend.

Meine Erfahrungen im Hinblick auf Campingurlaub sind etwas differenziert, vielleicht sogar unüblich. Als junger Mensch mit den Kumpels, später der Familie eher in Pensionen, Appartements und Hotels im südlichen, südwestlichen Europa unterwegs war die Einladung von Freunden Ende der 80er zu einer individuellen Campingtour duch die Türkei der Wendepunkt. Und von lediglich einem Loch im Boden für das "große Geschäft" incl. fließendem Wasser von der Felswand bis hin zu hervorragenden sanitären Einrichtungen war dort alles vertreten, was einen wesentlichen Unterschied zu den (in der Regel) bis dato frequentierten Mittelklasseunterkünften ausmacht. Und wir lernten auf so einer "Querfeldein-Tour" das Wechselspiel kennen, zwischen mehreren Tagen Camping und dann mal wieder in einer festen Unterkunft mit richtigen Betten und dem (eigenen) Bad gleich am Zimmer.

Neben Griechenland, Italien, Spanien, Portugal war dann auch Frankreich, die Atlantikküste, genauer und nach 1975 nun ein zweites Mal die Ile de Oleron in den Jahren um 1990 das Ziel von Sommer-Campingreisen. Ja, und da geht es den Bogen zurück, kommt der eingangs erwähnte taz-Artikel wieder zu Ehren. Camping in Frankreich und auf Plätzen mit einem gewissen, sanitären Mindeststandard ist nicht unbedingt so preiswert. Natürlich mag es Pauschalen, Angebote für Stammgäste oder andere Rabatte geben. Aber "wir", einfach so unterwegs, zahlten in Frankreich für die Übernachtung auf dem Campingplatz kaum weniger als in Spanien oder Portugal im (einfachen) Hotel.

Ja, und in soweit nun mit gewisser Erfahrung versehen ging es 1993 in die USA. Eine Art standardisierte, aber lange nicht an französisches Preisniveau heranreichende Plätze gibt es dort mit der KOA-Kette. Schöner gelegen, preiswerter aber natürlich meist auch einfacher ausgestattet sind die Plätze in den Nationalparks (oft überlaufen) oder den eher regionalen Stateparks. Letztere sind (zumindest für mich) erste Wahl, soweit man sich mit sog. Plumpsklo's anfreunden kann, außer purer Natur auch kein weiteres Entertainment erwartet. Da sollte man dann immer seinen Woodall's dabei haben.

Grundsätzlich ist Camping für mich das einfache Campen mit dem Zelt. Wohnmobile und Wohnwagen erzeugen irgendwie Abneigung, sind ja im Grunde nichts weiter als die Fortführung der geregelten, heimischen Wohnsituation mit etwas anderen Mitteln. Und..., manche abseits und sehr schön gelegene Plätze sind (gerade in Nordamerika) bestenfalls mit dem PKW, dem SUV erreichbar, manchmal nur zu Fuß oder zu Pferde.

Abschließend noch einmal zu diesem taz-Artikel und seiner "ersten" Intention, dem Titel dieses Beitrages hier. In dieser Art und Weise Urlaub zu machen wird für breite Schichten der Bevölkerung zukünftig sicher wieder aktuell und bestenfalls noch finanzierbar sein, soweit man "unterwegs" sein wollte und es monetär auch halbwegs darstellen kann. Aber eben Camping im genannten, einfachen Sinne; nicht die Dreizimmerwohnung mit sich herumfahren. Mit dem Fahrrad ist es wohl eher etwas für konditionsstarke, junge Leute, das Motorrad nicht meine Welt. Bleibt der (ggf. eigene) PKW oder in Übersee etc. der Mietwagen. Hier muss man wegen den (neuerdings) erhobenen Gebühren der Airlines für Zusatzgepäck aber aufpassen. Manchmal ist "drüben" mieten, ggf. zum Schluß Wegwerfen (leider) die ökonomisch sinnvollere Lösung. Das haben wir sowohl in 1993 Nordamerika als auch Portugal bereits praktiziert, weil es unter den konkreten Umständen praktikabel war; damals hatte man noch "genug" Freigepäck. Natürlich, "drüben" kommten immer noch die Flugkosten und der Mietwagen hinzu. Der reine Campingurlaub mit (fast) ausschließlichem Selbstentertainment ist in Nordamerika und in der Regel günstiger, als was wir hierzulande, d.h. europaweit gerade in Frankreich, aber auch in Italien erlebt haben. Es wird sich ändern, so oder so ...