30 Sep 2010

Eine kurze Geschichte von fast allem - 06

Submitted by ebertus

Von der RAF über die moralische H4-Besserungsanstalt incl. begleitender Datenkrake, die Ausweitung des Billiglohnsektors bis hin zu amerikanischen Wohn- und Konsumverhältnissen - und deren dahingehend eher bockigen, deutschen Pendants. Zum Schluß und anstelle der allfälligen Entrüstung wegen diesem, primär mit H4-lern verbundenen Alkohol- und Nikotingenuss mal wieder Neues von der KiPo-Front.

Einen zutreffend sachlichen Text hat Heribert Prantl da in der SZ abgeliefert.

"Ist das Recht, 33 Jahre später? Ist es Recht, weil es nie zu spät ist für Aufklärung, für Strafe und Sühne - und weil Mord nie verjährt?"

fragt Prantl und gibt die Antwort mit einem "Warum nicht?", begründet dies mit der damals eher alternativ getroffenen "prozessökonomischen Entscheidung". Der Sohn des Ermordeten und als ein die Thematik intensiv begleitender Nebenkläger auftretend, hat da weitergehende Vermutungen:

"Michael Buback hält Becker dagegen für die Mörderin seines Vaters und will das nun mit Augenzeugen untermauern, die damals eine Frau auf dem Sozius des Motorrads gesehen haben wollen. Daß die Strafverfolger seiner Mordtheorie nicht folgen, liegt nach seiner Ansicht an der »schützenden Hand« der Behörden. Sie deckten Becker, weil sie früher mit dem Verfassungsschutz zusammengearbeitet habe, glaubt der Chemieprofessor."

Nun ja, und bezüglich dem bereits damaligen "lebenslänglich" liegt eine Begnadigung von Verena Becker durch den ehemaligen Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker vor. Also ist vielleicht eher ein gern medial begleitetes Spektakel zu erwarten? Dass Verena Becker - schon aus ihrem Interesse heraus - unter diesen Umständen wohl keine Aussage machen wird, ist nachvollziehbar.

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Hartz IV als moralische Besserungsanstalt wird im Blog von Weissgarnix konstatiert und dort enstsprechend zum Thema diskutiert. Kinder und die Volksgesundheit, speziell die der ärmeren Schichten liegt der Bundesregierung offensichtlich sehr am Herzen. Mehr noch, dass H4-ler ihre Kinder nicht "richtig" betreuen und versorgen ist ja beinahe Algemeinwissen, oder? Aber nun sollen sich "freiwillig" auch noch weitergehend selbst outen, quasi als Hilfe zur Selbstreflektion. Damit und wohl nur aus persönlichen Erkenntnisgründen könnte das möglicherweise als Gefährdung einzustufende "Umfeld" offengelegt werden. Die Kommentare zum "Zeit"-Artikel sprechen überwiegend eine deutliche Sprache, aber naja; ist doch alles vollkommen freiwillig...

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Und wer dann genug und natürlich "zielführend" reflektiert hat, darf bald richtiges Geld verdienen! Da werden sich die Träger der Sozialversicherungen und deren "Kunden" aber freuen, der Verwaltungsaufwand sinkt; mangels Masse, sprich Einzahler. Das kann auch für die Unternehmen nur bedeuten: "Ausweitung der Kampfzone, weitere Reduzierung von versicherungspflichtigen Arbeitsverhältnissen. Das sogenannte, doch wohl physikalisch bedingte, demnächst sicher im Grundgesetz verankerte "Lohnabstandsgebot" geht in eine neue Runde. Wo sind eigentlich die sog. "Chemnitzer Wissenschaftler"? Hatten die nicht vor einiger Zeit den Nahrungsbedarf von menschlichen Haustieren auf der nach unten offenen SARR-Skala relativ präzise klein gerechnet. Selbst da ist da ggf. noch Luft...bis null - wird der Verbrauch gar negativ, winkt eine einmalige Gutschrift? Schließlich ist so ein Körper, wie spätestens nach "Soylent Green" bekannt sein sollte, nicht nur als spezifisches Ersatzteilreservoir zu gebrauchen; nein, auch vollumfänglich. Und den potentiellen Erben, falls ebenfalls H4-ler, sollte man dann etwas erweiterte Freigrenzen zubilligen.

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Ansonsten kann es "drüben" nur besser werden, bei einer Reduzierung der Zwangsversteigerungen, oder? Aber halt, nicht weil die Schuldner plötzlich wieder zahlungsfähig wären. Die Banker haben einfach die Übersicht bezüglich der realen Besitzverhältnisse verloren; was bei diesen kreativen Mischen, Bündeln und Neuverpacken von Schuldscheinen schon mal vorkommen kann. Egal, raus müssen die Schuldner sowieso und die "strategischen Insolvenzen" schaffen keine Kunden, weil "sie sieben Jahre lang nicht mehr kreditwürdig - und damit de facto für diese Zeit als Hauskäufer gesperrt" sind. Das trifft sich gut, diese Erkenntnis - denn ohne Kunden läuft nichts:

"Ich brauche nicht mehr Kredite, sondern mehr Kunden«, war laut der eingangs erwähnten NFIB-Umfrage die verbreitete Antwort der Unternehmer auf die Frage nach der Kreditvergabe der Banken."

Ist schon makaber, dieser Begriff von der "Förderung des Wohneigentum", wo es doch eher "Förderung der Umverteilung nach oben" lauten sollte. Denn wenn das Kartenhaus dann zusammen bricht rettet der Staat die Investoren, die Schuldner fliegen raus, so oder so.

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Und weil sich hierzulande die Menschen in der Mehrzahl (noch) nicht so gern und hoch verschulden, es gleichzeitig und im Gegensatz zu den USA viele, viele Mieter gibt, so könnte man die doch halbwegs trickreich zum Zahlen bringen, Vermieter entlasten und diversen Unternehmen in Dunstkreis der sowieso darbenden Baubranche Gutes tun.

Altbausanierung lautet das Zauberwort und klingt doch erst mal gut, hat nicht diese negative Konnotion der berüchtigten Luxussanierung. Andererseits sind das Horrorzahlen für den Durchschnittsmieter und, wie im Beitrag sehr schön herausgearbeitet, ist die Zahl der betriebswirtschaftlich sinnvollen Sanierungen eher überschaubar. Umverteilung wie "drüben" nur anders ...

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Vernichten, Telefon- und Adressbücher verbrennen, die (auch cachebedingten) Ergebnisse von Internet-Suchmaschinen möglichts im Minutentakt von speziellen, tiefenwirkenden Tools vom PC löschen lassen, keine Lezezeichen, Favoriten etc. mehr führen - oder sie täglich vom BKA auf Unbedenklichkeit hin prüfen lassen - wenn es einen derartigen Service und wohl in jedem Falle verpflichtend in Begleitung des Bundestrojaners irgendwann geben sollte. Schließlich leben alle Formen von Adressen, können sich real und virtuell hinter einmal positiv referenzierten Adressen "irgendwann" auch böse, kriminelle Gestalten befinden.

Wem soll man noch trauen? Vom virtuellen Link über den möglichen Buback-Deal bis zum vdL-Stoppschild...