24 Jul 2010

Eine kurze Geschichte von fast allem - 03

Submitted by ebertus

Dem Original näher kommen? - Von Sarah Palin lernen!

Christine Haderthauer war bereits als CSU-Generälin eine Klasse für sich, immer auf der provozierenden Kante entlang balancierend. Und auch in ihrem neuen Job ist sie kein bißchen leise, haut dem Koalitionspartner vordergründig entrüstet gleich mal den "Pinochet" um die Ohren.

Übertroffen wird Haderthauer - und wieder auf Kosten der "armen" FDP - nun gar noch von ihrer Kabinetskollegin Beate Merck. Killerspiele und eine Laissez-faire-Politik der FDP sind also schuld, wenn brave Kirchenmänner nicht mehr an sich halten können. Mixa's "68er Bösewichte" treten da doch gern und gleich in den Hintergrund.

Beinahe harmlos neben diesen beiden standhaften, bayerischen Weibsbildern kommt dagegen die norddeutsche Ministerin mit Migrationshintergrund daher. Ihre Sprachregelung für die Medien könnte da ja beinahe noch als "gut gemeint" durchgehen, sollte zumindest positiv interpretiert werden dürfen. Und wer da, wie Markus Kompa von "Hofberichterstattung" spricht, der übertreibt doch gewaltig, oder?

Schon wieder gesetzt hat sich die Aufregung um die Gedankenspiele aus dem Familienministerium zur Förderung von lebenswertem Nachwuchs. Die maßgebenden Medien spielen da sehr verantwortungsvoll ihre Rolle, schließlich ist auch das sicher "gut gemeint". Es kann sich natürlich recht schnell ändern, falls der dann Berufs-Bundeswehr für den erwartbar zunehmenden, weltweiten Einsatz das Kanonenfutter ausgeht. Dann müssen auch "die Armen" wieder ran.

Letzter Punkt, letzte Frau für heute bzw. "ihr" Ministerium. Ist das nun scheinheilig, bauernschlau, gar frech provozierend oder einfach nur genial? Es ist zumindest der Einstieg - wo steht denn, dass der H4-Bezieher Anspruch auf eine "eigene" Wohnung mit "eigener" Toilette, mit "eigenem" Bad hat? Diese 25qm sollten auch als mittelgroßes Zimmer durchgehen. Küche und Bad etc. wird sich der landläufige Sozialschmarotzer doch wohl mit "Anderen" teilen können, oder?

Einer geht noch, oder anders gesagt: Jede Realität übertrifft früher oder später jede noch so unglaubliche (Real)satire; bis hin zu "Soylent Green" - und darüber hinaus! Wo steht denn, dass der H4-Bezieher Anspruch auf ein "eigenes" Zimmer hat? In den bereits (wieder) gängigen US-amerikanischen Zeltstädten Mobile Homes light) ist das mit Doppelstockbetten vielleicht etwas schwierig, hierzulande in der - zumindest uns Älteren noch bekannten - Wellblechbaracke sollte das aber durchaus möglich sein, oder?

THE TIMES THEY ARE A CHANGING

Ausgangspunkt ist die ausdrückliche Wunschkoalition, freudetrunken gebildet im letzten Oktober, begleitet und gefeiert von den Damen und Herren Journalisten, die sich bis dato vorwiegend vier Jahre den roten Teil der GroKo vorgenommen hatten.

Vier Jahre, in denen die deutsche Qualitäts-Journaille die jetzigen Vorgaben der niedersächsischen Ministerin freiwillig und oft genug mit Freude erfüllt hat, übererfüllt hat., da hat es keine irgendwie anstößige Anweisung geben müssen. Freiwillig willfährig.
Man hat sich teils versenkt, wo auch immer.

Und nun? Nichts macht das verheerende Bild der heutigen Wunschkoalition so deutlich, wie das nunmehrige journalistische Abrücken von Politikern, deren Ziel es war, die neue Regierung zu bilden. Die taten es und sahen ihre Regierungs-Aufgabe wohl als erfüllt an.
Diese Fehleinschätzung erst hat dazu geführt, dass sich so mancher die Augen reibt über Anspruch und Wirklichkeit.
Bejammern wir also nicht den Zwang, dem unsere Presse ausgesetzt werden soll. Die hat die Basis ihrer Aufgabe, Distanz zu den Mächtigen, aus freien Stücken in den Orkus gejagt.

Danken wir unserem Außenminister, der sich in seiner Funktion als Lautsprecher verdient gemacht hat. Ohne ihn wäre womöglich das fatale Regierungs-Bild nicht rund. Der Bürger könnte eventuell noch hoffen, nicht auf Godot. So aber wird klar, Godot kommt nicht mehr, hat den Zug nicht bekommen oder was weiss ich.

Was sollen sie machen, die Bayern? Es ist kein Zuckerschlecken, in München von derselben Regierungs-Gelbsucht befallen zu sein wie in Berlin.
Da muss man die Verantwortlichkeiten schon deutlich herausstellen. Eine Aufgabe, der sich die FDP als Watsch'n-Partei hingibt, so wie sie ihre vor kurzem eingesammelten Wählerstimmen freiwillig verteilt.

Ja, auch ich habe bereits die Außen-Toilette überdacht, die Wellblechbaracken der Nachkriegszeit, der Not-Zeit inbegriffen, ob machbar. Nun steht es tatsächlich geschrieben, dass Hartz IV-ler Anspruch auf eine eigene Wohnung haben, da reicht kein Obdachlosenasyl. Is nich.
Es wäre so schön: man halbiere mit 25qm-Wohnungen den staatlichen Mietaufwand. Die Kosten tragen bisher die Kommunen zu ca.75%.
Nur, mit halbieren is eben auch nich: der Quadratmeterpreis von Kleinwohnungen ist eher doppelt so hoch wie einer „normalen“, im übrigen gibt es diese Wohnungen gar nicht!

Vielleicht will die Ministerin uns letztlich nur sagen, dass sie ein Wohnungsförderungs-Programm gewaltigen Ausmaßes auflegt?
25qm Wohnung bedeutet immerhin:
a) Wohnraum gleichzeitig Schlafraum 14qm
b) Küche 4qm
c)Bad/Toilette 4qm
d)Flur/ Diele 3qm

Frauen haben die besseren Lösungsansätze, sind nicht so vernagelt in Machtspiele, kreativer, kurz die besseren Politiker?
Schauen wir sie uns doch noch mal ganz genau an, die BESSEREN!

Wellblech und Co.

Danke @Ruganer für Deinen Kommetar. Die Wellblechhütten zu Wohnzwecken habe ich bis in die 60er erlebt, konkret damals am Rande des Ruhrgebietes (Bergkamen etc.) wo mein Vater in dieser Zeit geschäftlich zu tun hatte. Noch intensiver, näher, persönlicher, wenngleich weiter zurückliegend sind mir diesbezüglich die sog. "festen" Notunterkünfte in Erinnerung. (West)Berlin-Lankwitz, Belßstraße, so ca. 1952/53, wo aus dem Schutt zerbombter Häuser relativ einfache Unterkünfte gebaut wurden. Meine Eltern besuchten dort Freunde aus der sächsischen Heimat. Eine Wohnung mit drei Zimmern, jeweils diese ca. 25 qm groß, mit Korridor, Küche und Toilette (kein Bad). Ja, und in jedem der drei Zimmer wohnte (hauste) eine komplette Familie incl. einem oder zwei Kindern. Und nun noch der Kick, eben die bleibende Erinnerung: Diese drei Zimmer waren hintereinander angeordnet - die beiden Vorderen also Durchgangszimmer!

Später nannte man (in Berlin) derartig bebaute Straßenzüge "MauMau"-Siedlungen. Erst in den 60ern wurden sie nach und nach durch die Plattenbauten ala Gropiusstadt, Märkisches Viertel, Thermomentersiedlung etc. abgelöst; manche der Bewohner gar zwangsumgesiedelt. Ansonsten, wo steht das mit der "eigenen Wohnung" geschrieben und welchen Status hat dies? Reichen da zur Änderung, sorry zur Reform, ggf. einfache Mehrheiten? Wir sollten und dürfen niemals vergessen, wem wir dieses System der praktischen Stigmatisierung zu verdanken haben, wer dies bis heute sehr ernsthaft verteidigt und schlimmstenfalls vordergründige Entrüstung zelebriert.

Jetzt, wo die Konservativen das in 1998/2005 geschaffene Instrumentarium "lediglich" weiter ausbauen...

ERFOLGSMODELL WELLBLECHHÜTTE (kuschelig warm: im Sommer)

Zur Wohnung z.B. ein Urteil des, immerhin, Landessozialgerichtes NRW:

Hartz-IV-Empfänger dürfen nicht aus Kostengründen in eine Obdachlosenunterkunft verwiesen werden. Sie haben laut einer Entscheidung des Landessozialgerichts Nordrhein-Westfalen das Recht, sich auf Kosten der Allgemeinheit eine eigene Wohnung zu mieten. Die Miete müsse der ortsüblichen Referenzmiete entsprechen (Az.: L 19 B 297/09 AS ER).

Richtig, @ebertus, die Erfinder der gesellschaftlichen Ausgrenzung sollten wir im Gedächtnis halten, samt der Alternativlosigkeit der damals umgesetzten Pläne und der heutigen Trittbrettfahrer.

Wie hat das Bundesverfassungsgericht doch gerade erst geurteilt, Umsetzung bis 31.12.2010:
"Die Würde des Menschen ..."

Ich erinnere Wellblech-Wohnunghütten sehr genau aus meiner Düsseldorfer Zeit in den '50er Jahren.
Unweit vom Flughafen Düsseldorf, damals Lohausen, da standen sie, die originalen Wellblech-Hütten, garantiert im Sommer nicht zu kalt und im Winter nicht zu warm: NOTUNTERKÜNFTE!

Irgendwie passen die Dinger aber ins Bild der bundesdeutschen Mindest-Standards, der Republik der Bittsteller.