3 Nov 2010

Wem gehören die Medien?

Submitted by ebertus

"Pressefreiheit ist die Freiheit von 200 reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten."

Tom Schimmeck korregiert in seiner (und leider) absolut zutreffenden Rede lediglich die damals von Paul Sethe genannte Zahl, inhaltlich ist das mittlerweile eher noch viel konzentrierter, viel gravierender, viel manipulativer in dem uns täglich medial überbrachten Tenor des alternativlosen Sachzwanges.

Was tun also? Hin nehmen und ansonsten zwischen den Zeilen lesen? Dies ist bis zu einem gewissen grade sicher möglich, insbesondere, wenn zusätzlich und wenigstens rudimentär noch andere Kanäle der Informationsübermittlung, der Beschaffung von dem Mainstream abweichenden Meinungen zur Verfügung stehen. Nur so ist Chomsky's Propagandamodell zumindest ein Stück weit zu relativieren.

Die eigene, aktuelle Informationsbeschaffung habe ich hier in zumindest groben Ansätzen dargestellt. Ein Ausschnitt natürlich und das "zwischen den Zeilen Lesen" ist auch dort und grundsätzlich angesagt. Die (einfachen?) Fragen nach dem "wer profitiert", "wem nützt es" führen bei realistischer Betrachtung noch viel weiter. Und wenn man dann die zahlenmäßige Größenordnung der Profiteure in Relation zur Zahl der direkten und natürlich auch indirekten Verlierer setzt, so wird schnell klar, was Paus Sethe damals und gern auch etwas launig von sich gab.

Schlimm natürlich, was Tom Schimmeck über das Agieren, die Rolle der öffentlich-rechtlichen Medien sagt. Von dort ist in substantieller Größenordnung kein Gegengewicht zum neoliberalen, medialen Mainstream zu erwarten; schlimmsten- oder bestenfallsfalls (je nach parteipolitischer Couleur) die Umsetzung der jeweiligen Parteiraison. Ein Grund für mich - neben der Big Brother GEZ - vom Befürworter zum Gegner des Staatsfunks zu werden.

Was bleibt also? Auch hier gehe ich mit Tom Schimmeck ein Stück weit konform. "Das Internet als demokratisches Wunder" ist partiell real, aber seine "Gefahren" sind nicht nur den Bertelsmännern bewußt. Hier werden - und zunehmend - die Meinungskriege ausgetragen, die wohl aus Sicht der nunmehr bestenfalls noch hundert Reichen und Mächtigen (wieder frei nach Paul Sethe) nur mit Sanktionen, Verboten und einer entsprechenden BigBrother-Infrastruktur "erfolgreich" bestanden werden können.

Insofern gibt es über den schlußendlichen, fordernden Optimismus von Tom Schimmeck hinaus für den Konsumenten den Empfänger von Information (like me) primär die Frage, welche Dinge, welche Entwicklungen man mit (zugegeben) kleinen Beiträgen unterstützen sollte. Der ebenfalls mögliche Part des Senders bzw. Websitebetreibers - heute für beinahe Jeden und mit relativ geringem monetärem und technischem Aufwand machbar - sei dabei mal aussen vor gelassen.

Genau diese Frage der Zuwendung (an wen, warum, in welcher Form) sollte Stoff für einen der nächsten Beiträge hier bieten.