18 Apr 2011

Die Linke im Fegefeuer

Submitted by ebertus

Da sind sie wieder, die selbsternannten Geisterjäger, und das sog. Sturmgeschütz... ist mitten d'rin. Jetzt sind die Personen an der Reihe, werden medial zum virtuellen Schafott geführt; letztens war es noch die "falsche" Begrifflichkeit, die selektiv, sehr einseitig mit (beinahe) allem Negativen dieser Welt verbunden wurde. Bei den sonstigen Lichtgestalten und fürsorgenden Systemen, die uns alle so wohltuend so altruistisch begleiten.

Aus meiner Sicht hat die Linke nur eine Chance, wenn sie konsequent links bleibt und den provozierenden, den diffamierenden Vorwurf des Fundamentalismus als Lob, als Bestätigung, als Anerkennung dieser klaren, unterscheidbaren Linie empfindet. Dies mag zu gewissen, temporären Stimmverlusten führen, aber was ist die Alternative?

Die neoliberale Agenda-SPD hat weiterhin nicht verstanden, jetzt werden sogar Scholz und Kraft auch noch als potentielle Kanzlerkandidaten genannt. Da ist nichts, da wächst nichts, da kommt nichts und diesem jungen, hoffnungsvollen SPD-Sargnagel in BW darf man in letzter Konsequenz gar Thüringer Verhältnisse zutrauen; falls die Grünen bei S21 standhaft bleiben, was eher nicht zu erwarten ist.

Die Grünen sind zwar sehr elastisch, wendegestählt und ohne kritischen Blick zurück; dennoch wird die Entzauberung nicht lange auf sich warten lassen, sind sie doch mittlerweile akzeptierter und etablierter Teil des Systems. Mehr noch, sie anerkennen und gestalten ihrerseits und in vollem Umfang die pontemkinschen Sachzwänge dieser neoliberalen, destruktiven Strukturen; sind die neue CDU, wie man vielfach lesen kann, nicht so klientelhaft beschränkt wie eine andere, derzeitige (noch) Regierungspartei.

Wem will also die Linke, deren sog. Realoflüge da hinterher hecheln, sich anbieten, anbiedern, sich verkaufen für einige Silberlinge? Beck und Ypsilanti wurden vom medialen Mainstream ebenfalls niedergeschrieben; und? Ist es nach deren Abgang besser geworden mit der verbliebenen SPD?

Einzig der Platz des nützlichen Idioten, des demokratischen Feigenblattes, des eher bzw. grundsätzlich rein optischen Mäntelchens einer minimalen Teilhabe bleibt als reales Szenario. Und für welchen Preis? Lafontaine mag Erfahrung haben, Aura und analytisches Vermögen, Durchsetzungskraft vielleicht ebenfalls und immer noch. Doch sein reload wäre wohl das falsche Signal, ein konsequentes Parteiprogramm und das ergebnisoffene Nachdenken über die Zukunft und ohne Angst vor negativ besetzten Begrifflichkeiten sollte im Vordergrung stehen.

Die ansonsten DDR-gemäße 90% Koalition braucht keine linke Hilfe.

Das hier kann man lesen, muss es aber nicht; nach meinem Dafürhalten ist bei Ernst bereits ein wenig zuviel aktuelle, gehypte, hinterher laufende Konnotierung. Mehr Lötzsch, weniger Ernst wäre nötig, sich nicht gleich kuschend in die Ecke verziehen, wenn das Sturmgeschütz rollt.