7 Okt 2012

Schluß, Aus, O.K.

Submitted by ebertus

Nun stecken in diesem Text von BAP , diesem Brückenschlag von Köln nach New York eine Menge der Spuren, auf denen ich gelaufen, denen ich gefolgt bin; manchmal freiwillig, gar mit Interesse und Engagement; dann wieder eher gedrängt, gezogen, beinahe zwangsweise.

Das weitgehend gelebte Leben ohne existentielle Brüche und mit einer gewissen, natürlich relativen materiellen Sicherheit hält an "Herausforderungen" primär und existentiell die ablaufenden, biologischen Prozesse bereit. In wieweit der Kopf, das Denken davon abgekoppelt ist, sich lösen kann, das ist nicht unbedingt ausgemacht und vorhersehbar; weder in der Breite noch in der Tiefe.

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Eine Erfahrung, gerade und zuerst via der Community der SZ zunehmend intensiv erlebt, das sind die inhaltlichen, aber auch ein Stück weit menschlichen Strukturen und Beziehungen, die durchaus entsprechenden Impact auf den Kopf, das Denken haben. Und das Lernen, das Verstehen, das Reflektieren tut nicht mal weh, wenngleich oder eben auch ungleich den Herausforderungen eines realen Seins. Via der durchaus interessanten Inhalte, aber auch von Menschen die akzeptiert werden, so ist der Weg in die Reflektion, gern auch die (selbst)reflexive Auseinandersetzung vorgezeichnet. Ein Weg, an dessen Ende manchmal -und auch ein wenig schmerzhaft- das Konstatieren von Fanatismus, von Fundamentalismus, von Dogmatismus steht; mit all' den offenen oder auch verbrämt damit einher gehenden (wechselseitigen) Zuschreibungen. Ein Weg, der beinahe zwangsläufig auf einer zunehmend persönlichen Ebene sich entlangwindet, durchaus in im Einzelfall hochfrequent und eloquent zelebriert wird; immer den Absturz vor Augen. Sich in diesen Schlund nicht hineinziehen zu lassen, das erfordert ein Mehr an differenzierender Distanz, ein Mehr an dem hier anderweitig bereits erwähnte Selbstschutz; das kostet Überwindung - nicht wenig. Vielleicht ist es (auch) ein wenig wie Scientology, selbst wenn mir dahingehend der praktische Bezug fehlt. Oder wie der Beginn einer Drogenkarriere, mit einem noch möglichen, rechtzeitigen "last exit". "Alles" sollte eben nicht möglich sein.

Um das Vorgenannte nicht vollkommen im Abstrakten zu belassen, so sei exemplarisch und aus aktuellem Anlass die sog. Beschneidungsdebatte genannt, bei der viel zu lernen, zu verstehen war, anfangs -und wie erfahren- nicht nur meinerseits neben spontaner Toleranz ein beinahe naiver Glaube an die aufgeklärte Ratio stand. Mittlerweile ist dieser Glaube konterkarriert durch die Blicke, die Einblick in Abgründe der auch schon mal spiegelverkehrt daher kommenden Kreuzzüge, Kreuzzügler. Eine Dialektik des Nichtrationalen, des eben Spiegelverkehrten und auf einem verwirrend schmalen Grat der noch von Sekten, von Sektierertum trennt; wo grundsätzlich "Alles" möglich ist - und eben auch das Gegenteil... 

Nicht nur, dass hierbei allfällige Koalitionen und gepflegte Feindbilder schneller wechseln als manche(r) die Unterwäsche, nein! Nicht nur, dass ein nur vordergründig blauäugiges "man wird ja nochmal sagen/fragen dürfen" mit bockigem Verweigern sich verbündet, nein! Nicht nur, dass wechselseitig und erkennbar provozierend geschwungene Holocaust- und Antisemitismuskeulen und beinahe reflexartig dargebotene "Vergleiche" gemäß Godwin's Law so manche persönlichen Anwürfe bestimmen, nein! Nicht nur, dass eine beinahe göttliche, allwissende, subtil-verbissene Unfehlbarkeit ohne jede kritische (Selbst)reflektion dargeboten wird, nein! Die aus meiner Sicht gruselige Faszination einer sich öffnenden Büchse der Pandora übt dabei der kulturell-religiöse Fundamentalismus aus, fanatisch zelebriert und absolut kompromislos in seinem beinahe freudigen "no way out", was den wohl akzeptierten, gar gewünschten Weg in den Gottesstaat betrifft, wo eben "Alles" möglich erscheint, was die dann notwendige dritte, gar einzige Kammer in elterlicher Fürsorge für die Schäflein beschließt.

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"Kerouac lääv jed’nfalls ni’ mieh" textet Wolfgang Niedecken (BAP) und es wird Zeit, Kerouacs Buch endlich mal fertig zu lesen, gar den aktuellen Film zu schauen. Ok und wollte versuchen, das hier im eigenen Blog und gerade bei den neuen Artikeln beherzigen; sprich: Zurückhaltung was die Beschneidung (von Knaben!?), diese phasenweise skurrile Debatte, deren oft mehr als schräge, im Einzelfall provozierend jenseitige "Vergleiche" betrifft; nicht zuletzt bei kulturell-religiös motiviertem Fundamentalismus, gar Fanatismus. BAP sind mir da Handlungsanweisung genug; und hier in zwei etwas spezielleren Versionen via Youtube dargeboten:
 

Lass die Luft tief in deine Lungen und fang
Einmal mehr von vorne an. Schluss, aus, vorbei,
Keinen Blick zurück, warum auch?
Schluss, aus, vorbei –
Schluss, aus, okay.

Echt, ich kann es nicht mehr hören, lass es sein,
Niemand hat wirklich Schuld daran.
Schluss, aus, vorbei,
Keinen Blick zurück, warum auch?
Schluss, aus, vorbei –
Schluss, aus, okay.