8 Nov 2012

Dream On!

Submitted by ebertus

"Americans, dream on!" titelt die taz in Gestalt ihrer Chefredakteurin Ines Pohl. Der immer wieder beschworene "American Dream", der bröckelt ein wenig bis doch schon reichlich. Und gerade die Tage sprach ich mit einem, welcher in der Rüstungsindustrie arbeitet, gar einem amerikanischen Konzern. Dort wäre man für Mitt gewesen, der kann besser Krieg; möglicherweise ...

Dabei hat Bushama von Anfang an -und lediglich mit einem etwas moderateren Ton als GWB- nun alles getan, dahingehend würdig nachzufolgen und der Hightech-Drohnenkrieg ist sowas von toll wohl für die Kiddies an den feuerknöpfigen Joysticks im Homeland; fast ohne Risiko zumal. Mehr noch, das Militär wird wohl zunehmend gebraucht, wenn die Underdogs nicht mal mehr an der Hautfarbe gleich zu erkennen sind. Man denke nur an hiesige Diskussionen zur Bundeswehr im Inneren, soviele Naturkatastrophen kann es garnicht geben, warten wichtigere Aufgaben auf die, unsere Jungs.

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Und wer es etwas akademischer, theoretischer haben wollte; gern in Memoriam Robert Kurz:

Hierin spiegelt sich eine generelle Kreditabhängigkeit des an seiner eigenen Hyperproduktivität erstickenden Spätkapitalismus, der nur unter dem Vorgriff auf zukünftige Gewinne seine Warenberge im Hier und Jetzt losschlagen kann. Auch die Autoindustrie ist inzwischen schlicht zu produktiv für den Kapitalismus und kann ihre Produkte nur kreditfinanziert an die Kunden loswerden. Die Krise der Autoindustrie spiegelt somit geradezu paradigmatisch die "innere Schranke" (Robert Kurz) der kapitalistischen Produktionsweise, bei der die vom Kapitalismus hervorgebrachten Produktivkräfte "die Fesseln der Produktionsverhältnisse" (Marx) aufsprengen.

Der Telepolis-Artikel, aus dem obiger Textauszug stammt, der fokussiert zwar auf die Autoindustrie, die Aussage ist jedoch generell plausibel, wie es die seit Ende 2008 ablaufende Entwicklung, gerade in der alten Welt dies so exemplarisch zeigt. Insbesondere die USA werden dahingehend in der zweiten Amtszeit von Obama wieder einmal Vorreiter sein und damit Ben Bernankes realsatirischer Floskel vom Geldabwurf aus dem Helikopter sehr real näher kommen (müssen). Oder umgekehrt, steigt das Geld zum Himmel auf und dieser Text von Robert Kurz entstand nach meinem Dafürhalten bereits Mitte der 1990er.

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Ok, was in Sachen Israel (Iran) passiert, das scheint mir vage, nicht ausgemacht. Obama ist wohl kein via der Holocauskeule zu instrumentalisierender Trottel mit dem leicht ins Feld zu ziehen wäre. Aber in wieweit er Netanjahu, Lieberman und insgesamt den militärisch-industriellen Komplex zurückhalten kann, das wird sich zeigen.

 

Barack Obama ganz Mensch

http://j.mp/XpbxsO

Großartig, sage ich nur.

diese stimmen

http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/14430
sind der jüdische allgemeine berichtenswert.

Die Jüdische Allgemeine,

dass muss ich zu meiner gewissen Schande gestehen, gehört nicht zu den von mir regelmäßig konsumierten Medien. Sie wird in der Regel nur nach Hinweisen angesteuert und meist bin ich dann vom Inhaltlichen wie vom Tenor des dort gelesenen bedient. Das Origin-Jüdische gepaart mit einer gewissen kritischen Distanz wie beispielsweise von "Haaretz" gepflegt ist nicht so das Metier der JA; eher eine Art die Reihen schließendes Exilblatt, immer auf dem Sprung "heimwärts" - frei nach den kürzlichen Ausführungen von Moshe Zuckermann.

Umso positiver nun dieser Beitrag, diese jüdischen (amerikanischen) Stimmen in Deutschland, mit einer überwiegend klaren Absage an religiös-nationale Tendenzen, russisch-orthodoxe Strömungen und zum Schluß wird es gar ein wenig (ungewohnt) witzig. Wenn das die Klärgrubler lesen...

ich lese da auch viele Lippenbekenntnisse,

denn auch Netanjahu hat schließlich Obama gratuliert und betont, dass die strategische Allianz zwischen den USA und Israel "stärker denn je" sei. Er werde weiterhin mit Obama zusammenarbeiten, um die Interessen durchzusetzen, "die für die Sicherheit der israelischen Bevölkerung entscheidend sind".
Wer bitte nimmt das ernst oder hält es für ehrlich von einem, der ganz ungeniert Werbung für Romney gemacht hat?

Für mich hat der Satz »Romney hätte Netanjahu eine Carte blanche für einen Präventivschlag ausgestellt.« die größere Relevanz von einem Juden, der Romney ganz gut findet und sogar in Schutz nimmt.
Ich denke, die größte Gefahr geht von den orthodoxen Juden aus, die ja durch den Trick mit der vorgezogenen Wahl in Israel vermutlich enorm gestärkt werden. Zwar ist das von Netanjahu geplante gemeinsame Vorgehen mit den USA gegen den Iran erst mal vom Tisch, aber eine gestärkte rechtslastige neue Regierung Israels könnte auch einen Alleingang wagen, das notwendige atomare Waffen-Potential ist ja bekanntlich vorhanden.

Aber auch einen "positiven" Aspekt entnehme ich dem Artikel: nämlich, dass die jüdische Diaspora wohl mehr Gewicht auf wirtschaftlichen Wohlstand legt, denn auf die "Sicherheit" im "Mutterland".
Diese Erkenntnis dürfte für die nächste Campain gerade für die Demokraten wichtig sein, da gehen klare Ansagen in Richtung Israel bedeutend leichter von den Lippen als bisher.

Nicht nur wirtschaftlichen Wohlstand

Die jüdische Diaspora, gerade die in den westlichen Ländern hat eine Historie großer Aufgeklärtheit, gewisser Säkularität hinter sich, soweit reicht mein angelesenes, für mich fruchtbar diskutiertes Wissen zumindest.

Insofern finde ich das, was die heutige, die politisch engagierte Judith Butler denkt und formuliert äußerst bemerkenswert. Gerade weil sich, so wie ich das ein Stück weit verstehe, das Judentum weniger über einen Staat mit nach wie vor äußerst fließenden, umstrittenen, laufend neu definierten Außengrenzen denn über die Religion, Kultur, einen offenen Diskurs und gerade in der Diaspora definiert. Gern dazu nochmal der Link auf den Tagesspiegel, das Gespräch mit Micha Brumlik vor einigen Wochen in Berlin.

das mag für die Diaspora außerhalb der USA ja zutreffen,

aus dem Abschnitt "Die Untersuchungen des American Jewish Committee (AJC) Berlin indes zeigen, dass die Beziehung der USA zu Israel bei der Entscheidung diesmal nicht so stark im Vordergrund standen. »Die jüdischen Wähler in den USA interessiert vielmehr die Frage, wie das Land ökonomisch wieder zu alter Stärke gelangen kann«, erklärt Deidre Berger, Direktorin von AJC in Berlin." entnehme ich zumindest für die USA eine andere Intention, und um die ging es doch in erster Linie.

Obama oder Romney, das ist eine Frage der Ehre

und da ist Obama die einzig mögliche Antwort.
Da ist jede andere Überlegung müßig.

Gerade in Sachen Israel ist Obama die bessere Wahl, da er im Gegensatz zu Romney den israelischen Kriegstreiben sicher keine Schützenhilfe geben wird.

Keine, eine Frage: JA!

Auch beim ersten Mal war ich gefühlt eher bei Obama. Obwohl, zugegeben und mit Sicherheit bereits "irgendwo" geschrieben, meine Optionen im Vorfeld zeitweise auch McCain galten; soweit Carly Fiorina noch als mögliche Vize im Rennen war.

Nur mit ihrer Auffassung von "Birth Control" kam sie bei den religiösen Hardlinern und gern auch schon mal bigotten Fundamentalisten nicht gut an.

Zu Israel wäre ich vorsichtig, den national-religiösen dort ist beinahe jede Schweinerei in Sachen subtil eingefordertem Korpsgeist zuzutrauen, auch wenn das -gern konstatiert- die "partial Jews", die Juden in der Diaspora und gerade in den USA eher kritisch betrachten dürften.

Romney ist doch nur ein Bush-Clone zumindest aber ein Clown,

der jederzeit in seiner "Haltung" umprogrammiert werden kann, und da gab es doch Avancen und eine kräftige Werbung seitens Netanjahu für diesen roten Clown.

Jetzt "huldigt" dieser verlogene israelische Präsident einem anderen, wie bigott ist das denn?

Obama hat jetzt den Vorteil, dass er selbst auf die jüdische Diaspora keine falsche Rücksicht mehr nehmen muss, wie es die Fanatiker aus dem Güllefass ja selbst von uns Deutschen nach über 60 Jahren immer noch verlangen.

Falsche Rücksicht auf Israel: ein nicht zu unterschätzendes Dauerproblem.