16 Mai 2013

Vorsorglich

Submitted by ebertus

Wenn es schon im Freitag steht ...

Im Grunde ein sehr ernstes Thema und dennoch sorgt diese Nachricht, gerade nach den Diskussionen des letzten Jahres, meinerseits für makabre Reflektionen, visionäres Gruseln. Schließlich ist so eine präventive Amputation nicht immer schlecht und warum sollten eigentlich nur erwachsene, volljährige Menschen darüber entscheiden, was am eigenen Körper entbehrlich ist oder schlummernde, jederzeit wirksam werdende Gefahren birgt.

Und ebenfalls im Freitag erläutert Columbus die Hintergründe aus mehr medizinischer denn sexistischer Sicht. Wobei, die medizinische wie die sexistische Sicht passt zu der Debatte des zweiten Halbjahres 2012 und es fehlt momentan lediglich noch der religiöse Überbau. Aber bei den AmerikanerInnen weis man ja nie, mit welchen Sektenideologien sie gerade umgehen..., oder?

Was so ein amerikanisches Ehepaar auch aus ästhetischen Gründen dürfen sollte, dies hierzulande nun mal zügig ebenfalls für Brustamputationen (kleiner Mädchen jedweder Religion) im Sorgerecht verankert werden wollte, das mag ein Zitat erläutern, kommt der Autor nach dem Auflisten diverser medizinischer Indikationen für präventive Amputationen zu seinem grundlegenden Anliegen, sprich: dem Sorgerecht.

"Auch das in Deutschland lebende säkulare amerikanische Elternpaar darf sich aus kulturellen, traditionellen, ästhetischen oder präventiv-medizinischen Gründen für die Beschneidung ihres Sohnes entscheiden."

Akad. Rat a.Z. Dr. Bijan Fateh-Moghadam, Münster

 

präser nicht vergessen!

bevor Ihr zwei beiden euch dessen versichert, dass die bigotten immer die anderen sind, nehmt mal besser eure eigenen vorsorglichkeiten unter die lupe. vom vorsorge-sparen bis zum vorsorge-ohrloch.

mit diesem Kommentar dürfte klar sein,

dass Rahab weder Spaß noch Ernst versteht........
Warum wundert mich das jetzt nicht?

Gratwanderung

Nun, bei dieser Thematik bedeutet jedwede ernsthafte Argumentation oft eine Gratwanderung, das Oszillieren zwischen Ernsthaftigkeit und Ironie. Für mich wollte ich behaupten, weder die Broder'sche Peep-Show noch schnöden Sexismus bedient zu haben. Meinerseits zuzugeben ist jedoch ein erheblicher Teil an Ironie, was diese meine diesbezüglichen Äußerungen betrifft.

Nur ist diese Ironie primär als Reaktion, denn als provozierende Aktion zu verstehen. Ironie kann eine Antwort auf Bigotterie sein, ist aber auch als gewisse Provokation zu verstehen, wenn potentielle, wenigstens implizite (in dem Falle) BeschneidungsbefürworterInnen Vergleichbares negieren, dafür jedoch sukurrile "Vergleiche" bemühen und ansonsten, wenn es konkret werden darf bewußt im Diffusen verharren. Daher ist eben eine "positive Ironie" in meinem Verständnis gefordert, welche sich von verletzender personenbezogener Negativironie deutlich unterscheiden darf.

etwas näwe der kapp

räume gerade mammes einer freundin wohnung aus wegen umzug ins pflegeheim. da hab ich grad einen ganz eigenen blick aufs vorsorgliche. weil nämlich die schweinchenklappe auch nach 13 jahren immer noch tut, wenn auch altergemäß abgenutzt.

das erschrecken ob eines gens ist mir nachvollziehbar. ob ich mich deshalb gleich entleiben täte? ganz sicher nicht! wobei: mein edler leib besteht aus mehr als den tettas!
ich tät vorschlagen, da mal den bogen zu PID zu schlagen und zu fragen, welche vorstellungen von machbarkeit&ewigem leben diese beflügelt haben könnte.

und: wie verhält es sich nun mit der pro-sta-ta?

Brust ab, und alles wird gut.

In dem Zusammenhang fällt mir die Frau ein, die sich gestern bei "Lanz" zu ihrer vorsorglichen Amputation äußerte, denn auch sie hat das "böse" Gen.

Das Besondere an ihrem Fall: als nach der Operation ihre amputierte Brust histologisch untersucht wurde, fand man einen Williams-Christ-Birnen-großen (der Vergleich kam mir in den Sinn, als sie die Maße nannte) Tumor, der bei den regelmäßig gemachten Mammografien nicht entdeckt worden war.

Da frage ich mich allen Ernstes, welche Zuverlässigkeit die ganzen Vorsorgeuntersuchungen haben, und ob es nicht vielleicht sicherer wäre, sich alles amputieren zu lassen, was man nicht unbedingt braucht, denn das kann zumindest nicht mehr bösartig mutieren.
Beispielsweise stillen ja nur noch die wenigsten Mütter. :-)

Und für die Optik und die Männer gibt es doch schließlich Silikon, was immer mehr ohnehin verwenden.
Eine Marktlücke wären nach den Massenamputationen dann sicher Brüste zum Anschnallen....... (kein Operationsrisiko) :-)

Ironie darf sein

@Forenboy, dennoch wollte ich meinen Beitrag etwas ernster verstanden wissen. Eingedenk der -zugegeben- als weitgehende Einzelmeinung hervorgebrachten Argumentation, dass eine zielgerichtete Amputation die Sexualität begrenzen, reduzieren, kontrollieren kann (das wird allerdings von Beschneidungsbefürwortern in der Regel vehement bestritten) so ist dies als eine Art Selbstschutz zu verstehen. Und dieser Selbstschutz, diese Fürsorge könnte via dem Sorgerecht und wie gelernt auch gleich mal von den Eltern am Mädchen vorgenommen werden.

Ok, soweit gehen die Muslime da nicht, ist jedoch die Verschleierung der Frauen im gesellschaftlichen, im zwischenmenschlichen Umgang ähnlich konnotiert, wird die Sexualität der Frau bewußt begrenzt, reduziert, kontrolliert (feel free), zumindest was ihre öffentliche Wirkung betrifft.

Insofern wundert es mich, das in beiden Freitagsblogs das möglicherweise Vergleichbare nicht wirklich thematisiert wird..

vermutlich deshalb, weil das Thema auch nur eine

durchs Dorf Getriebene ist....... (the same procedure as last week)
Nach Pfingsten ist es zur Abwechslung vielleicht ein Ochse.

.....so ganz vorsorglich wegen Hoden-krebs. :-)