28 Jun 2013

April, April

Submitted by ebertus

Paywall skurril ... Bereits diese Tage anderweitig gelesen, dabei an einen verspäteten Aprilscherz gedacht.

Nun aber, nach einem Artikel bei Telepolis und dem Konstatieren einer essentiellen Teilnahme des anerkannten Fraunhofer-Instituts bei der möglicherweise gar legitimen Textmanipulation, so ist schlußendlich Erschrecken angezeigt. Ok und gern vorab gesagt, sind DRM-geschützte Inhalte oder (ebenfalls) persönliche Daten sammelnde Paywalls eh' nicht mein Fall, mögen die vier wesentlichen Gründe für diese, meine Position hier genannt, wiederholt sein.

1. In der Regel geht der Kopierschutz einher mit Restriktionen, gerade für den offiziellen, also den ehrlichen Käufer. Inhalte können nur beschränkt -oder überhaupt nicht- gesichert, auf andere Plattformen übertragen werden. Teilweise ist auch Copy&Pasten, Drucken etc. unterbunden. "Das Buch" einfach mal (im Freundeskreis) ausleihen -wie bei einem papiernem Medium selbstverständlich- ist ebenfalls nicht möglich oder nur unter im Grunde unzumutbaren Prozeduren und Restriktionen.

2. Oft, gerade bei diesen sog. EBook-Readern verbindet man sich auf Gedeih und Verderb mit einem Unternehmen, einer bestimmten Hardware, einem speziellen Datenformat. Wer dieses System nicht unterstützt, bleibt aussen vor und bei einem Crash der eigenen Hardware ist man auf ein "good will" des Anbieters angewiesen, falls die bereits bezahlten Inhalte kostenfrei wieder neu "erworben" werden wollten.

3. Da für den Zugriff auf Inhalte ein individuelles, nachprüfbares (Bezahl)Konto beim Anbieter existieren muss, gerade darüber die genannten Restriktionen adressiert werden, so ergibt sich damit zwangsläufig, dass das eigene Leseverhalten überwacht und (auf Dauer) gespeichert wird.

4. Für die Nutzung, für den Kauf von Inhalten muss in der Regel eine Internetverbindung bestehen, sind rein technisch sowohl Manipulationen wie auch das komplette Löschen legal erworbener Bücher etc. möglich. Ob dies dann gar aktuellen, Orwell'schen Beigeschmack hat oder  andere "Gründe" benannt werden ist zweitrangig; technisch ist es in jedem Falle realisierbar und bereits vollzogen, unter Beweis gestellt. Die reale Feuerwehr aus Fahrenheit451 wird bei diesem virtuellen Content dann nicht mehr gebraucht.

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Und nun, um auf die eingangs genannte Intention zurück zu kommen, traut man als Contentanbieter, als Rechteinhaber dem ganzen DRM-Zauber, den Wasserzeichen etc. wohl nicht mehr so richtig, wollte die "Kunden" gar noch mit inhaltlicher Manipulation beglücken. Eingedenk der eigenen Historie, auch als Programmierer war mir schnell klar, dass abhängig von der angestrebten Auflage eines derart "veredelten" Werkes, die individuelle Kennung über eine kreative Anwendung von zusätzlichen Leerzeichen als binärer Code kaum, im Grunde nicht möglich ist; und dies mit entsprechenden Programmen einfach wieder ausgefiltert werden kann. Also Kreativität, next step...

Ohne mich wiederholen, in den Details verlieren zu wollen, so sei "Ernsthaft?" auf diesen informativen Artikel hingewiesen, der auch gleich die entsprechenden Beispiele mitbringt.  Da wiederum, musste ich gar schmunzeln, ist das doch genau diese Art von Technik, welche von angehenden Doktoren beim kreativen Abschreiben -neben dem Weglassen von Quellennachweisen- gern eingesetzt wird. Und dass dafür ernsthaft gar noch Steuergelder fließen, das ist wohl nur folgerichtig.