13 Sep 2013

Frau K. aus DA

Submitted by ebertus

Ein tragischer Justizirrtum. Das Gute wohnt nicht per se im Geschlecht und ansonsten gilt wohl nur, dass Frauen anders morden, anders vergewaltigen, anders foltern als Männer.

Nein, nicht direkt aus DArmstadt, irgendwo aus dem Odenwald. Von dort ist es ganz schön weit nach Indien und dennoch, bei allem Unterschied eint diese aktuell durch die Medien gehenden Meldungen ein Begriff: "Vergewaltigung", in der Regel begangen von Männern an Frauen.

Die Ereignisse in Indien scheinen klar, das Urteil gerecht, soweit man die Todesstrafe als Bestandteil eines modernen Rechtssystems grundsätzlich akzeptiert. Und da gibt es ja schließlich die bekannten Beispiele, auch in den sog. demokratischen Rechtsstaaten. Die USA beispielsweise sind wohl ganz vorneweg mit den entsprechenden Stückzahlen an Exekutionen durch die Organe der Rechtspflege.

Der Fall aus dem Odenwald liegt einerseits vollkommen anders, ist andererseits dennoch vergleichbar, soweit man den Begriff von der Todesstrafe nicht in einem engen, sondern übertragenen Sinne versteht; faktische, implizite, physische (Selbst)Folter vor dem Tode eingeschlossen. Und vielleicht wäre diese aktuelle Meldung zu Frau K. aus DA nicht einmal bis zu mir vorgedrungen, wenn ich nicht selbst einige Jahre in dieser Gegend verbracht hätte, bis heute intensive, gar familiäre Kontakte im Landkreis Darmstadt pflege.

Eine Lehrerin beschuldigt einen Kollegen der Vergewaltigung; und dies nicht "irgendwo" sondern im dienstlichen Umfeld, in der Schule begangen zu haben. Der Mann wird 2002 wegen dieser Tat verurteilt, damit beruflich bzw. existentiell zugrunde gerichtet und muss, weil er sich auch während der Haft nicht schuldig bekennt, die volle Strafe verbüßen. Keine Ahnung, ob das Gericht damals die Umstände der Tat wirklich auf die notwendige Plausibilität hin im Detail untersucht hat, aber es soll hier auch keine Richterschelte geübt werden.

2011 in einem Wiederaufnahmeverfahren, pikanterweise auch noch betrieben durch eine Frauenbeauftragte, wird der Mann und vermeintliche Täter/Vergewaltiger dann ohne "wenn und aber" freigesprochen, stattdessen die angeblich vergewaltigte Lehrerin angeklagt und dieser Tage nun wegen der bewußten Falschaussage verurteilt. Das Ergebnis, diesen Erfolg wenn man so will, kann der über lange Jahre unschuldig Einsitzende jedoch nicht mehr selbst erleben, er starb bereits 2012, hatte bis dahin und ohne eine jegliche (auch schulische) Rehabilitation durch das Land Hessen von Hartz4 leben müssen. Soweit meine Zusammenfassung der Meldungen vom Tage.

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Worum geht es (mir) über diese reinen Fakten hinaus? Zum einen natürlich und wie eingangs erwähnt um die Todesstrafe, welche dem Mann in anderen Ländern wegen diesem Tatvorwurf möglicherweise final gedroht hätte. Zum anderen natürlich um die Wahrscheinlichkeit, die unbestreitbare Tatsache, dass wesentlich mehr Männer als Frauen gewalttätig werden, gerade was diese Art von Delikten betrifft. Aber dennoch! Kein Ranking bitte! Auch nur ein unschuldig Hingerichteter ist genau einer zuviel, macht diese Art Strafe zu einem absoluten NoGo! Und ist Folter, gerade eine jahrelange Folter, das Konstatierens des unschuldig verurteilt zu sein nicht möglicherweise schlimmer als so ein kurzer Stich mit der Nadel, Ruck am Seil oder Schlag auf dem elektrischen Stuhl?

Natürlich wäre der Bogen hier noch weiter zu spannen, würde dann aber wohl vielfach wieder auf ein Ranking hinauslaufen, ob denn nun Männer oder Frauen schlimmer sind. Das jedoch soll vermieden werden und daher sei lediglich festgehalten: Das Gute wohnt nicht per se im Geschlecht und ansonsten gilt wohl nur, dass Frauen anders morden, anders vergewaltigen, anders foltern als Männer; nicht mehr aber auch nicht weniger!

 

für ein Plädoyer gegen die Todesstrafe

gibt es ganz sicher weitaus bessere Beispiele, für die verbreitet existierende Gewalt von Frauen an Kindern und Männern sicher auch.
Die leider wahre Geschichte ist eher dazu geeignet, die Schuld einer Täterin neu zu bewerten, die zwar "nur" eine falsche Beschuldigung erhoben hat, die jedoch zur Zerstörung eines Menschenlebens führte.

Für mich war das heimtückische schwerste seelische Verletzung ohne jede Reue mit Todesfolge.

Solche Urteile erscheinen in dem Licht dann eher als Farce.......
http://j.mp/18kXdrC

Passende/unpassende Beispiele

mag es viele geben und dies liegt nicht zuletzt im Auge des Betrachters.

Für mich -und mit Sicherheit auch bereits anderweitig erwähnt- stellt sich dahingehend immer mal wieder eine gewisse Phobie ein, was beispielsweise Selbstjustiz oder Lynchjustiz, generell die instrumentalisierte dumpfe Menge betrifft. Unschuldig verurteilt zu sein, eine entsprechende Strafe bis zur Neige verbüßen zu müssen und darüber jeglicher gesellschaftlicher Existenz beraubt zu sein, das geht genau in diese Richtung.

Danke für den Link, wenngleich ich meinen Blog bewußt eben "ohne" gelassen habe.

Und wie gesagt, geschrieben: Kein Ranking bitte! Gewalt von Frauen an Kindern und Männern mag es geben, in der Regel aber eher subtil. Die andere, beinahe klammheimliche oder auch provozierende Frage wäre die, ob gerade KommentatorInnen beim Freitag (keine Namen bitte), dem Thema an sich nicht ganz fremd, ob die dann im Falle der Frau K. aus DA auch mal entsprechend wortgewaltig agieren wollten - oder sofort auf den bedauerlichen Einzelfall erkennen...

ich erkenne auf

dünnpfiff, bedauernswerten.

derartige verurteilungen sind seltener als andere. macht die geschichte nicht zum bedauerlichen einzelfall. sondern zu etwas, was eher selten in der strafrechtspflege vorkommt.
darüber, wie oft unverurteilt, streiten sich die geister.
sollen sie....

die verbreitete Gewalt von Frauen gegen Kinder und Männer

ist natürlich von subtilerer, sprich nicht so offensichtlich brutaler und körperlicher Art, wie sie meist bei männlicher Gewalt zu beobachten ist. Das scheint geschlechtsspezifisch bedingt.

Dass sich die "lauten Emanzen" ebenso laut für diesen Fall "stark machen" werden, dürfte allerdings eher ein frommer Wunsch bleiben.

"Laute Emanzen"

ist nicht so meine Ausdrucksweise @Forenboy und auch inhaltlich wäre ich weit entfernt von dem, was Du dahingehend wohl zum Ausdruck bringen wolltest. Es gibt ja dort beim Freitag in diesen informellen Seilschaften auch Männer mit entsprechendem Rechtsverständnis gepaart mit eloquenter Schwurbelei. Aber da beim Freitag geht ja eh' kaum noch was ab...

Dabei bemühe ich mich in den verschiedenen Blogs doch wohl redlich, wenngleich dezent wie das nun mal so meine Art ist. Selbst bei @WWALKIE passiert nichts mehr, obwohl meinerseits und trotz @Columbus-Laudatio diese Herzensangelegenheit des Blogbetreibers etwas kritisch angegangen wurde.

OT/Ok: Have a look ...

auch in diesem Fall hilft Dir Relativieren nicht weiter,

denn die "lauten Emanzen" (für mich eher unerträgliche Flintenweiber) kannst Du weder mit den lächerlichen Geachwätzbloggern noch den gefährlichen politischen Propagandisten oder den eitlen Gockels vergleichen, sie "verdienen" allesamt ein Alleinstellungsmerkmal.
Wann dieser aktive Bodensatz der FC ihr jämmerliches Ende bereitet, ist nur noch eine Frage der Zeit.

Lauthals lachen musste ich allerdings, als ich von Deiner "dezenten" Selbsteinschätzung las........

Die Namen habe ich Dir zuliebe dezent weg gelassen.